Berlin : TV-Duell als Straßenfeger

Parteien starten heiße Wahlkampfphase / SPD-Auftaktveranstaltung mit Kanzler Schröder

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Bei mehr als 40 Prozent unentschiedenen Wahlbürgern, die die SPD aus den Analysen der Demoskopie herausliest, kann die Bunddestagswahl am 22. September wohl noch nicht gelaufen sein. Jetzt blasen die Parteien von Berlin aus zum letzten Gefecht; in der heißen Phase ist noch viel Musik drin. Zur Auftaktkundgebung auf dem Gendarmenmarkt mit Bundeskanzler Gerhard Schröder will SPD-Landeschef will Landeschef Peter Strieder sogar 10 000 Teilnehmer auf die Beine bringen und damit die Mobilisierungsfähigkeit seiner Partei unter Beweis stellen. Zur Einstimmung spielt ab 16 Uhr die Rockband „Pur“. Und wenn eine Stunde später die jungen „Samba-Kids“ ihre heißen Rhythmen trommeln, erscheinen der Kanzler und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit auf der Bühne. Zehn Minuten für Wowereit, dann trommelt Gerhard Schröder eine Stunde lang politisch.

Heiß hergehen soll es am Freitag zum Auftakt auch bei den Grünen in der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg ab 19 Uhr. Hauptredner sind die Bundesministerin und Berliner Spitzenkandidatin Renate Künast und ihr Berliner Mitbewerber Werner Schulz.

Bereits am heutigen Donnerstag beginnen die PDS und die FDP ihren Countdown. Für die PDS werben ab 17 Uhr auf dem Alexanderplatz Parteichefin Gabi Zimmer, Bundestagsfraktionschef Roland Claus und Landeschef Stefan Liebich. Nach Umfragen muss die PDS um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen. In kleiner Partystimmung geben sich die Liberalen mit Günter Rexrodt im Restaurant Alte Pumpe in der Lützowstraße in Tiergarten bei Musik, Drinks und leckeren Happen. Der Erlös einer Tombola geht an die Opfer der Flutkatastrophe in Dresden. Vielleicht kommt auch Guido Westerwelle. Die CDU hat ihren Auftakt schon am Dienstag mit Angela Merkel hinter sich gebracht.

Auf den Kanzler kommt es an, und Gerhard Schröder mag sich nicht wegboxen lassen. Am Sonntag will die SPD das erste TV-Duell zwischen Schröder und Edmund Stoiber auf Großbildleinwand im Willy-Brandt-Haus übertragen. Sie verspricht sich überhaupt viel von diesen Fernsehduellen. Auch SPD-Wahlkreiskandidaten laden zum gemeinsamen Angucken mit Diskussionen ein. „Das werden Straßenfeger“, heißt es in der SPD-Kampa in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte. Dort, gegenüber dem alten Postfuhramt, geht schon seit Monaten die Post ab. In drei Etagen planen 120 Mitarbeiter minutiös Termine und Aktionen, geben den bundesweit 299 Wahlkreiskandidaten Hilfen via Internet, beobachten die Konkurrenz und analysieren Umfragen.

Schneller als früher müssen sie reagieren, denn alle Woche steht ein anderes Thema im Vordergrund. Im Endspurt will die SPD mit der Hartz-Kommission und, natürlich, mit der richtigen Reaktion auf die Flutkatastrophe punkten. Andererseits geht es nicht nur um die großen Themen. Die Bürger unterscheiden kaum zwischen Bundes-, Landes- und Kommunalfragen. Jedenfalls wird „um jeden Meter gekämpft, die Sache ist knapp“, so SPD-Generalsekretär Franz Müntefering. Mit einer Telefonaktion will die SPD Hunderttausende in den SPD-Hochburgen animieren, zur Wahl zu gehen. Gru.

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