TV-Duell mit Wowereit : Künast macht den Weg frei für Rot-Grün

08.09.2011 22:12 UhrVon Armin Lehmann
Konfrontation ist anders: Renate Künast machte Klaus Wowereit fast schon ein Koalitionsangebot. Auch wenn sie selbst für einen rot-grünen Senat nicht zur Verfügung stehen will. Foto: dpa
Konfrontation ist anders: Renate Künast machte Klaus Wowereit fast schon ein Koalitionsangebot. Auch wenn sie selbst für einen rot-grünen Senat nicht zur Verfügung stehen will. - Foto: dpa

Im Fernsehduell mit Klaus Wowereit sagt Renate Künast überraschend deutlich, dass sie Schwarz-Grün für Berlin ablehnt - und wird von der Herausforderin zur Wegbereiterin.

Die Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün in Berlin haben am Donnerstagabend im RBB begonnen. Das ist die spannendste Erkenntnis des Duells zwischen Klaus Wowereit (SPD) und seiner Grünen–Herausforderin Renate Künast. Allerdings muss man nun anders mit dem Wort „Herausforderin“ umgehen. Nicht lange nach Beginn der Sendung betont die Spitzenkandidatin, die nur als Regierende Bürgermeisterin im Abgeordnetenhaus Politik machen will, überraschend deutlich: „Ich werde meiner Partei nicht vorschlagen, mit der CDU zusammenzugehen. Mir ist das Liebste die SPD.“

An dieser Stelle des Duells geht es um die A 100 und die Frage, ob sie entscheidend für eine Koalition sei.

Künast versucht sich im Spagat zwischen „ich gebe zu, wir brauchen mehr Bewegung für die Wirtschaft“ und „wir wollen aber andere Straßen weiter entwickeln“, um nicht genau zu antworten. Sie sagt nur, die A 100 sei ein „herausragendes Kriterium“. Wowereit grätscht zielsicher hinein, erinnert an den Grünen-Fraktionschef, der gesagt habe, mit der A100 gebe es keine rot-grüne Koalition und fragt: „Was ist denn nun, Frau Künast?“

Die antwortet mit der erwähnten Koalitionsaussage gegen die CDU und findet, nun liege der Ball bei Wowereit, er solle nun mal sagen, ob er Rot-Schwarz oder Rot-Grün wolle. Aber Wowereit muss gar nicht antworten, weil die, wie schon beim Duell Wowereit–Henkel, erneut sprachlich rumpelnden und unsicheren Moderatoren Claudia Nothelle und Christoph Singelnstein den Augenblick verpassen. Singelnstein bringt es fertig, diese journalistische Großchance mit dem Satz „Koalitionsverhandlungen können sie ja nach der Wahl führen“ zu vergeben.

Immer wenn es spannend wurde, wenn Farbe hineinkam, erstickte der virtuelle Berlin-Stadtplan – von Singelnstein gerufen, auf dem die Duellanten Nummern aussuchen durften, hinter denen Fragen aus Bezirken steckten – den Moment. Dunkel und grau waren alle kleidungstechnisch erschienen, nur Wowereits rote und Singelnsteins blaue Krawatten waren Farbtupfer, Renate Künast hatte das Pech, auch noch schlechter geschminkt worden zu sein als der Regierende, aber für die zu wenigen Punkte, die sie im Duell machen konnte, war sie selbst verantwortlich.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie sich Künast ehrlich macht bei der Kitapolitik und wie Wowereit das prompt ausnutzt.

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