TXL-bleibt-offen-Bewegung : Kritik an Studie zur Schließung von Tegel

17.500 Arbeitsplätze könnten laut einer Studie nach der Schließung des Flughafens Tegel entstehen. Philipp Bouteiller reagierte nun auf Kritik am Ergebnis der Studie. Aus dem Bezirksnewsletter Reinickendorf.

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Philipp Bouteiller, Geschäftsführer Tegel Projekt GmbH, begründete in einer Stellungnahme die Schätzungen der Studie.
Philipp Bouteiller, Geschäftsführer Tegel Projekt GmbH, begründete in einer Stellungnahme die Schätzungen der Studie.Foto: dpa/ Jörg Carstensen

Bleibt das Job-Wunder Tegel aus? Wenn Tegel schließt und der BER endlich öffnet, könnten im geplanten Forschungs- und Technologiepark "Urban Tech Republic" in den nächsten 25 Jahren etwa 17.500 neue Jobs in Reinickendorf entstehen, so das seit langem bekannte Ergebnis einer Studie der Berliner Empirica AG vom Dezember 2014.

Doch die Studie hat Schwächen, meinen nun Anhänger der TXL-bleibt-offen-Bewegung: Manches Zahlenmaterial scheint schlichtweg geschätzt, sagen sie, und schreiben in der BZ, bei den Arbeitsplätzen handele es sich nicht um neue, sondern um solche, die den Wegfall der alten kompensieren oder aus anderen Bezirken verlagert werden. Zumindest was das Potential der Beuth-Hochschule betrifft, ist diese These jedoch falsch.

"Grundlage ist die städtebauliche Planung"

Ich habe den Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH, Philipp Bouteiller, um eine Stellungnahme gebeten. Er begründet die angenommene Zahl von 17.500 Arbeitsplätzen so: "Grundlage ist die städtebauliche Planung: Wo kommt Forschung hin, wo Straßen, wo Grünflächen? Daraus lässt sich ableiten: Wie viele Gebäude werden entstehen, wie viele Etagen werden sie haben, und wie werden sie genutzt? Auch dafür gibt es Berechnungsgrundlagen, z.B. geht man bei Logistikunternehmen von 250 Quadratmeter Nettobauland pro Arbeitsplatz aus, bei technologie- und wissensorientierten Dienstleistungen sind es 50 Quadratmeter Nettobauland (NBL) pro Arbeitsplatz."

Weiter schreibt er: "Wenn im Forschungs- und Industriepark Berlin TXL alle geplanten Gebäude errichtet sind und vollständig genutzt werden – wir rechnen mit einer Entwicklungszeit von bis zu 25 Jahren – dann sind dort rund 17.500 Menschen beschäftigt. Nun mag man einwenden: Sind das alles neue Arbeitsplätze? Nicht alle, aber die meisten. Ein Technologiepark wächst aus sich selbst heraus. Es ist immer ein Geben und Nehmen: Start-ups brauchen den Austausch mit etablierten Unternehmen, mit der Wissenschaft. Also muss man sie auch ermuntern, nach Tegel zu kommen. Das heißt zunächst einmal: Umzug, Verlagerung von Arbeitsplätzen. Aber: Ein Unternehmen zieht nur um, wenn es Platz für Wachstum sucht. Und den können wir in Tegel bieten."

Die Situation sei vergleichbar mit jener in Adlershof Mitte der 1990'er

Philipp Bouteiller schließt mit der Feststellung, dass diese von ihm skizzierte mögliche Entwicklung genau jene sei, die sich auch in Adlershof seit Mitte der 90-er Jahre ergeben hat. Bouteiller schreibt: "Heute arbeiten in Adlershof über 16.000 Menschen in Forschungseinrichtungen und in über 1.000 Unternehmen. Hinzu kommen rund 6.500 Studierende. Seit 1991 sind in Adlershof rund 2 Mrd. Euro investiert worden – übrigens seit 2005 zu 70% privates Geld. Auf jeden Arbeitsplatz in Adlershof kommt mittlerweile ein weiterer in Berlin. Aus Adlershof fließen dem Land jährlich rund 130 Mio. Euro an Steuern zu."

Dieser Text entstammt dem Bezirksnewsletter Reinickendorf, verfasst von Gerd Appenzeller, dem ehemaligen Herausgeber des Tagesspiegels.

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Anwohnerprotest in Tegel
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