Berlin : Typisch schwul

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VON TAG ZU TAG

Gerd Nowakowski über die neuen CSDFans

Normale Teilnehmer eines Christopher-Street- Marsches waren das nicht, die am Sonnabend im Bus zur Parade fuhren: Beide jenseits der Sechzig und mit weißen Haaren nicht unbedingt der Zielgruppe der hippen Schwulen entsprechend. Doch Opa und Oma, unverkennbar heterosexuell, freuten sich auf den Umzug. Sie waren nicht die einzigen Normalos, die gestern am Rand des Zuges standen oder gleich mitmarschierten. Vor 25 Jahren war das noch unvorstellbar: Da liefen 400 Schwule und Lesben durch die Stadt, die Männer mit Zottelbart und Bundeswehr-Parka – und wurden von Passanten beschimpft. Heute sind sie zwar noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen, aber auf dem Weg dorthin. Sie sind Trendsetter, schließen Ehen und zeigen der Welt, wie attraktiv und liberal Berlin ist. Da können die Macher der Love Parade neidisch werden. Die Techno-Aktivisten waren am Anfang ebenfalls nur wenige. Die Botschaft des großen Wum-Wum ist jedoch arg begrenzt, mag sich Dr. Motte auch jedes Jahr eine esoterische Botschaft an die Welt abringen. Das muss den Spaß nicht schmälern, aber erklären, warum die Love Parade stagniert, während CSD und der Karneval der Kulturen ganz neue Fans locken.

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