U-Bahn-Baustelle : Unter den Linden könnte es eine neue Schaustelle geben

Bezirk und Anrainer schlagen eine transparente Baugrube für den U-Bahnbau in der Friedrichstraße und Unter den Linden vor. Die Königliche Porzellan-Manufaktur gibt vorher auf - Nachmieter steht bereit.

Katja Reimann
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Das hat gescheppert. Die Königliche Porzellan-Manufaktur zieht Ende 2009 an der Friedrichstraße Ecke Unter den Linden aus. Der...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Plexiglas könnte die Lösung sein. Transparenz anstelle von Zäunen aus hölzernen Brettern – Gruben und Schächte öffentlich machen anstatt sie zu verstecken. Nicht Bau- sondern Schaustelle sollen sie werden, die ab 2010 anstehenden Arbeiten in der Friedrichstraße und Unter den Linden, aus der ein neuer Bahnhof für die U-Bahnlinie 5 erwachsen soll. Darauf jedenfalls hoffen Geschäftsleute und Anrainer. Nur wenn selbst die dreckigste Arbeit auf dem Boulevard einen Eventcharakter hat, so die Überlegung, lassen sich Kunden nicht von Lärm und Staub verschrecken.

„Die Passantenströme sollen nicht abreißen“, wünscht sich Rainer Boldt, Vorstand der Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden an der Friedrichstraße (IG). Für die „berühmteste Kreuzung Berlins“ schweben Boldt etwa Brücken über die Baugruben vor, von denen aus Spaziergänger die Arbeiten in der Tiefe verfolgen können. Auch die eventuell geplanten, möglicherweise bis zu 20 Meter hohen Lärmschutzzäune vor dem Hotel Westin Grand und den Arkaden des „Lindencorso“, sollten möglichst transparent sein, sagt Boldt. Allein, weil es in den Verkaufsräumen sonst ziemlich duster werde. Der Wirtschaftsstadtrat von Mitte, Carsten Spallek (CDU), regt an, die Baugrube mit Plexiglas abzudecken und so vielleicht für Neugierige begehbar zu machen. Dass so eine „Schaustelle“ durchaus attraktiv sein könne, habe ja bereits die Baustelle am Potsdamer Platz bewiesen, sagte Spallek. Allerdings seien in der Hinsicht der Senat und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) als Bauherren gefordert. Dass die BVG solchen Ideen nicht grundsätzlich abgeneigt ist, zeigen alte Bauprojekte. Zum Bau der U55 am Pariser Platz wurde eine Webcam installiert, die das Geschehen auf der unterirdischen Baustelle filmte.

„Wenn kein intelligentes Management rund um die Baustelle stattfinden wird, dann wird die Straße um Jahre zurückgeworfen“, sagt auch Nils Busch-Petersen, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Sicherlich werde es Schadensersatzforderungen an die BVG geben, sagt Busch-Petersen. Denn dass die Baumaßnahmen unter Umständen „existenzgefährdende Ausmaße für umliegende Geschäfte“ haben, daran sei kein Zweifel.

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Ein erstes Geschäft kündigte nun auch prompt seinen Rückzug an: Die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) wird ab Ende des Jahres auf dem Werksgrundstück in der Wegelystraße und nicht mehr an der Ecke Friedrichstraße/Unter den Linden verkaufen. Allerdings, so sagt KPM-Besitzer Jörg Woltmann, sei für den Umzug nicht nur das künftige Bauszenario vor dem Eingang verantwortlich. Der Mietvertrag laufe zum Ende des Jahres aus, ein neuer Vertrag wäre mit „erheblich höheren Kosten“ verbunden. „Die hätten wir auch gezahlt“, sagt Woltmann, „wenn es mit den Baumaßnahmen nicht so ungünstig wäre.“ Bereits jetzt sehe sich KPM jedoch nach einem neuen geeigneten Ladenlokal in der unmittelbaren Nachbarschaft um.

Andere sehen den Bauarbeiten entspannter entgegen. Solange konkrete Auswirkungen nicht bekannt seien, nutze auch Diskussion nichts, sagt etwa Martin Fichtmüller von der Event Hotelgruppe, zu der auch das Westin Grand Unter den Linden gehört. Den KPM-Verkaufsraum in bester Lage sicherte sich jedenfalls schon ein Nachmieter: die Galerie Mensing, seit Jahren im Quartier 206 vertreten, wird dort einen zweiten Ausstellungsraum eröffnen. „Spätestens zum 1. März 2010“, sagt Geza Koczoh, Leiter der Berliner Galerie. Natürlich sei die geplante Baustelle ein Hindernis, sagt Koczoh. Aber: „So einen Raum bekommt man nicht alle Tage angeboten.“ Langfristig denken, lautet die Devise. Aussitzen, zur Not.

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