U-Bahn : Bergbau unterm Humboldtforum

Lange wurde um die U 5 gestritten. Jetzt soll die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Alex via Schlossplatz bis 2017 fertig sein.

Klaus Kurpjuweit
U5
Das lange Werden. Bereits 2004 waren die Röhren für die U55 im Rohbau fast fertig. 2017 sollen nun auch Züge von Hauptbahnhof zum...Foto: dpa

Sie ist ein Jahrhundertbauwerk – die U-Bahnlinie U 5 vom Alexanderplatz zum neuen Hauptbahnhof. Vor fast 100 Jahren, 1919, tauchten die ersten Pläne zum Bau auf – jetzt sollen sie nach einem gemeinsamen Beschluss des Bundesverkehrsministeriums und der Stadtentwicklungsverwaltung verwirklicht werden. 2017 sollen die Züge fahren. Allerdings gibt es weiter erhebliche Bedenken gegen das Projekt. Vorher müsse eine billigere Alternative geprüft werden, fordert die Linkspartei. Ihr Koalitionspartner SPD steht dagegen zu dem Bau, den auch die CDU, die FDP und die Industrie- und Handelskammer (IHK) seit langem fordern.

Strittig bei dem Jahrhundertbau ist jetzt noch eine Länge von lediglich zwei Kilometern. Von der 3,9 Kilometer langen Gesamtstrecke sind nämlich bereits 1,9 Kilometer im Rohbau fertig – aber am „falschen“ Ende. Der Bau war 1995/96 im Bereich des Hauptbahnhofs begonnen, am Pariser Platz dann aber eingestellt worden. Mehr als 150 Millionen Euro sind bereits verbuddelt worden.

Durch den Beschluss, auf dem Schlossplatz ab 2010 das Humboldtforum zu bauen, gab es Druck, auch wieder an die U 5 zu denken. Ihre Röhren liegen nämlich unter dem Schlossplatz. Deshalb fordert der Bund, der das Forum – wie auch die U-Bahn – zum größten Teil finanziert, dass die Arbeiten an der Oberfläche für die U 5 am Schlossplatz 2012 abgeschlossen sind. Deshalb sollen auch die Arbeiten an der U-Bahn „spätestens“ 2010 beginnen.

Die BVG hat jetzt, wie gestern berichtet, von der Stadtentwicklungsverwaltung den Planungsauftrag erhalten, verbunden mit der Zusicherung, dass der Senat die Finanzierung sicherstellen werde. Veranschlagt sind die Kosten des fehlenden Abschnitts mit rund 370 Millionen Euro; 80 Prozent davon bringt der Bund auf.

Bevor die unterirdische Bohrmaschine sich nun endgültig in Bewegung setzt, müsse von einem unabhängigen Gutachter noch geprüft werden, ob es möglich ist, die fast fertige Strecke, einstweilen U 55 genannt, vom Pariser Platz nur bis zur Friedrichstraße weiterzubauen und dort mit der bestehenen U 6 zu verbinden, fordern die Verkehrsexpertinnen der Linkspartei und der Grünen, Jutta Matuschek und Claudia Hämmerling. Unterstützt werden sie dabei vom Vorsitzenden des Fahrgastverbandes IGEB, Christfried Tschepe. Die Idee stammt von zwei Studenten der Technischen Universität.

Technisch und betrieblich sei dies nicht machbar, sagt BVG-Technikvorstand Thomas Necker. So sieht es auch Christian Gaebler von der SPD. Da diese Lösung mit einer eingleisigen Verbindungskurve nur einen Zehn-Minuten-Betrieb zum Hauptbahnhof zulasse, sei sie verkehrlich nicht sinnvoll. Während die Grünen den Bau der U 5 grundsätzlich ablehnen, würde die Linke nach Matuscheks Angaben den Weiterbau zum Alexanderplatz akzeptieren, wenn die Verbindung zur U 6 nicht möglich wäre.

Die BVG weiß auch schon, wie sie bauen will: Die Röhren und Bahnhöfe sollen bergmännisch gebohrt werden; an der Oberfläche sollen nur Gruben für die Eingänge zu den Bahnhöfen ausgehoben werden. Eine Ausnahme gibt es an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße, wo ein gemeinsamer Bahnhof mit der U 6 entsteht. Hier müssen auch Teile der Straßen aufgerissen werden. Unter den Linden soll der Verkehr weiter laufen, allerdings auf weniger Spuren. Der südliche Teil der Friedrichstraße soll dagegen rund ein halbes Jahr gesperrt werden. So lange wird auch die U 6 unterbrochen.

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