Berlin : U-Bahn-Linie 2: Auf der sanierten Hochbahn zu einem neuen U-Bahnhof Pankow

Klaus Kurpjuweit

Noch gut vier Wochen, und die U-Bahn fährt wieder nach Pankow. Vom 16. September an gibt es auch erneut einen Bahnhof Pankow. Die U-Bahn-Linie U 2 ist dann knapp 400 Meter länger geworden und wird einen neuen Bahnhof erhalten haben - den 170. im Netz der BVG. Die Planer freuen sich, dass statt der errechneten Baukosten in Höhe von 126 Millionen Mark "nur" 105 Millionen Mark ausgegeben worden sind.

Ursprünglich sollten die Züge schon lange bis zum S-Bahnhof Pankow fahren. Die Pläne dafür sind schon fast mit dem Bau der U-Bahn zum damaligen Bahnhof Pankow (Vinetastraße) entstanden, der 1930 eröffnet worden ist und heute nur noch Vinetastraße heißt. Doch erst am 13. Juni 1997 erfolgte der erste Rammschlag. Dabei hatten die Arbeiten schon Ende der 80er Jahre begonnen. Die Ost-Berliner Verkehrsbetriebe (BVB) wollten an der Granitzstraße eine neue Werkstatt bauen, die nach der Vereinigung der Netze 1993 überflüssig geworden war. Anwohner mussten deshalb jahrelang mit einer riesigen Baugrube leben. Immerhin wollte man dann ein wenig schneller sein und den Zugverkehr zum neuen Bahnhof Pankow bereits vor Monaten aufnehmen. Dort kann man in die S-Bahn, zur Straßenbahn und zu den Bussen umsteigen. Daraus wurde jedoch nichts. Wo bereits jetzt ein reger Zugverkehr herrschen sollte, befindet sich heute noch eine lebhafte Baustelle.

Der Eröffnungstermin wurde mehrfach verschoben. Und als die BVG sich dann auch noch entschloss, die Viaduktstrecke in der Schönhauser Allee zu sanieren und am 10. Juli zwischen den Bahnhöfen Vinetastraße und Senefelderplatz den Betrieb einstellte, war klar, dass die U-Bahnen erst mit Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Hochbahn den neuen Bahnhof erreichen würden.

Neben dem alten S-Bahnhof ist eine großzügige Eingangshalle zum künftigen U-Bahnhof entstanden, die durch ihre Glasfassade viel Licht ins Innere bringt. Durch ein Glasdach im Treppenbereich erreicht das Tageslicht auch den Untergrund. Der zentrale U-Bahn-Eingang liegt unter dem Damm der S-Bahn; beide Stationen sind mit einer Treppe und einem Aufzug miteinander verbunden. Weitere Ausgänge gibt es zur Berliner Straße, wo sich eine Haltestelle der Straßenbahn befindet, und zur Florastraße. Zusätzliche Ausgänge befinden sich an den Bahnsteigenden. Anfang der 90er Jahre habe man eben noch großzügig geplant, hieß es gestern auf einer Baustellenbesichtigung. Allein der Bahnhofsausbau hat 14,3 Millionen Mark gekostet.

Im Plan liegt die BVG mit der Sanierung der Hochbahnstrecke. Dort müssen unter anderem Pfeiler, die sich bis zu vier Zentimeter geneigt haben, wieder ins Lot gebracht werden. Rund 50 der insgesamt 200 Stützen werden nach Angaben des Leiters der Bauabteilung der BVG, Uwe Kutscher, zudem umfassend saniert. Außerdem erhalten die Innenbereiche der Stationen Schönhauser Allee und Eberswalder Straße neue Farben. Auch die Bahnsteige werden saniert, und an der Schönhauser Allee wird der Einbau eines Aufzuges vorbereitet. Erneuert werden ferner die Rampen zwischen der Tunnel- und der Hochbahnstrecke, die im nördlichen Bereich unter anderem an der Straßenseite Klinker erhalten. Diese Arbeiten werden insgesamt etwa 20 Millionen Mark kosten.

Die Arbeiten sind mit der Wiederaufnahme des Verkehrs am 16. September aber noch nicht abgeschlossen. Sie werden sich noch zwei Jahre hinziehen, kündigte Kutscher an. Dann erhalten auch die Viadukte einen neuen Anstrich, dessen Farbe noch mit den Denkmalschützern festgelegt werden muss. Bis Oktober bleibt auch die Straßenbahn auf ihrer provisorischen Trasse. Auch woanders baut die BVG im großen Stil weiter. Die Abdichtung der Tunnelstrecke zwischen Pankow und Potsdamer Platz soll 2001 abgeschlossen werden. Noch in diesem Jahr will die BVG damit beginnen, auch die Linien U 5 und U 8 zu sanieren. Häufig müsse dann über diesen Strecken die Straße aufgerissen werden, sagte Kutscher.

Ungewiss ist dagegen, wann die U-Bahn, wie ebenfalls seit Jahrzehnten geplant, bis zur Kirche in Pankow fahren wird. Hier fehlt zwar nur noch eine kurze Strecke - aber auch viel Geld für den Weiterbau.

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