Berlin : U-Bahn-Linie 4: Technisches Schmuckstück des wohlhabenden Westens

tob

Für manch einen ist es der schönste Bahnhof der Stadt. Der Chef des Berliner Fahrgastverbandes IGEB Christfried Tschepe liebt es sogar, dort auf die U-Bahn zu warten. Wenn nicht gerade wie zurzeit renoviert wird, kann man vom Bahnsteig aus durch Fenster in den Rudolph-Wilde-Park sehen. Der Tunnel der U-Bahn-Linie 4 durchquert an der Stelle eine eiszeitliche Rinne. Der Bahnhof Rathaus Schöneberg liegt im Freien.

Dieser Tage wird das Bauwerk 90 Jahre alt, und mit ihm die ganze Linie vom Nollendorfplatz bis zum Innsbrucker Platz, die 1910 als erste kommunal finanzierte U-Bahn Deutschlands eröffnet wurde - die ersten Berliner Strecken bewirtschaftete man anfangs in Privatregie. Den Jahrestag feiern Bezirk und BVG am kommenden Sonnabend ab 10 Uhr auf der Station Viktoria-Luise-Platz mit BVG-Kapelle, Ausstellung und historischen Zugfahrten. Fahrgastverband IGEB und Bezirksamt haben zudem ein Buch zur Historie der Linie herausgebracht.

Die Ausstellung zeigt unter anderem Fotos von Vorarbeitern mit Melone auf dem Kopf, einen alten Bauplan und einen Ausriss aus dem Schöneberger Tageblatt zur Eröffnung von 1910. Damals war Schöneberg noch unabhängige Stadt. Mit dem Bau großbürgerlicher Häuser um den Bayerischen und den Viktoria-Luise-Platz zur Jahrhundertwende wollte man wohlhabenden Berlinern einen Anreiz geben in den Westen zu ziehen. Die U-Bahn sollte die Gegend noch attraktiver machen. Lange Zeit verband die Linie über fünf Stationen allerdings nur Motz- und Hauptstraße. Erst 1926 wurde die Linie am Nollendorfplatz an das U-Bahnnetz angeschlossen. Ursprünglich sollte sie sogar bis nach Weißensee und Richtung Süden bis zum Teltowkanal verlaufen.

Auf der überschaubaren U 4 habe die BVG seit jeher auch technische Neuerungen erprobt, sagte gestern Buchautor Jan Gympel. 1967 erhielten die Züge als erste in der Stadt Funk. 1981 wurde auf der Linie erstmals der fahrerlose Betrieb getestet. 1992 fielen dort die ersten Abfertiger weg. Die Station Rathaus Schöneberg wird von BVG und Bezirksamt noch bis zum kommenden Jahr saniert. Die Fassade zum Wilde-Park wird erneuert, ein neuer Eingang soll zum Bahnsteig hinunterführen, auf den dann auch wieder Tageslicht fällt.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben