Berlin : U-Bahn - Sperren: CDU und SPD sehen keine Gefahr

Klaus Kurpjuweit

CDU und SPD halten an ihrer Absicht fest, auf den U-Bahnhöfen Zugangssperren zu installieren - wie es auch die BVG wünscht. Sie stimmten gestern im Parlament dafür. Grüne und PDS waren dagegen. Der Brand auf dem U-Bahnhof Deutsche Oper ändere am geplanten Einbau der Sperren nichts, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Christian Gaebler, dem Tagesspiegel. Zugangssperren gefährdeten die Sicherheit nicht. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) ist sogar vom Gegenteil überzeugt: Nach seiner Ansicht dienten die Sperren der Sicherheit oder zumindest dem Sicherheitsgefühl der Fahrgäste.

Berlin wäre die einzige deutsche U-Bahn-Stadt mit Zugangssperren. Weder in Hamburg noch in München oder Nürnberg denkt man daran, vor den Bahnsteigen Sperren aufzustellen. Die BVG will damit vor allem die Quote der Schwarzfahrer senken, die derzeit offiziell mit etwa acht Prozent angegeben wird. München dagegen hat nach Angaben eines Sprechers der Verkehrsbetriebe damit weniger Probleme. Zudem gebe es im Münchener Untergrund nur wenige Schäden durch Vandalismus. Hamburg will vor allem den vielen Stammkunden keine Hindernisse beim Betreten der Bahnsteige zumuten.

Auch bei der BVG sind die meisten Fahrgäste mit einer Wochen-, Monats- oder Jahreskarte unterwegs. Für den Berliner U-Bahn-Experten Jürgen Meyer-Kronthaler ist damit der Aufwand zu hoch, die verhältnismäßig wenigen Barzahler durch teure Sperranlagen kontrollieren zu wollen. Der Einbau auf den 169 Bahnhöfen soll nach Angaben der BVG 125 Millionen Mark kosten. Gegen Sperren hatte sich zuletzt auch der Landesbehindertenbeauftragte Martin Marquard und der Fahrgastverband IGEB ausgesprochen. Abgelehnt werden sie auch von den Grünen und der PDS.

Strieder warnte gestern im Abgeordnetenhaus bei der Sperrendiskussion vor "ideologischer Aufgeregtheit". Ein Sicherheitsproblem sieht auch er nicht. Selbstverständlich müsse gewährleistet sein, dass die Sperren jederzeit durch geschultes Personal geöffnet werden und auch Kinderwagen, Fahrräder und Rollstühle ungehindert passieren könnten, sagte er.

Keine Probleme in dieser Hinsicht hat man auch bei der Expo in Hannover. Dort sind die Hallen mit Drehkreuzen ausgestattet, um die Besucher zählen zu können. Im Gefahrfall klappten die "Arme" der Sperren einfach nach unten, so dass der Weg frei wäre, sagte Sicherheitschef Wolfgang Schulz. Unter solchen Bedingungen hat, wie berichtet, auch die Feuerwehr keine Bedenken gegen den Einbau von Sperren.

Umstritten ist aber, ob überhaupt alle Bahnhöfe für den Einbau von Sperren geeignet sind. Vor allem in älteren Stationen fehlt häufig der Platz für den erforderlichen Stauraum. Zudem wird es nach derzeitigen Plänen ohnehin kein vollkommen "geschlossenes System" im Schnellbahnnetz geben. Die S-Bahn will nämlich ihre offenen Bahnhöfe behalten.

Ganz neu sind Sperren für die BVG nicht. Früher kontrollierten Mitarbeiter in Häuschen, den so genannten Wannen, die Fahrscheine. Der Weg für die Fahrgäste war durch Gitter markiert, allerdings nur in Längsrichtung. Barrieren, die den Weg versperrten, gab es nicht.

Während die BVG die mechanischen Sperren erst einführen will, ging Lissabon den umgekehrten Weg. Dort sind die einstmals vorhandenen Barrieren verschwunden. In Lissabon fährt die U-Bahn aber auch sogar sonntags alle drei Minuten.

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