Berlin : U-Bahn-Unfall: Schulklasse blieb unverletzt

Jörn Hasselmann

Eine U-Bahn auf Sonderfahrt mit einer Schulklasse an Bord ist gestern in der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde ohne zu bremsen gegen einen Prellbock und mit dem ersten Waggon ins Erdreich gefahren. Der erste Waggon blieb geneigt stehen. Nach Angaben der BVG gab es keine Verletzten. Der Lehrer der 9. Klasse aus der Alfred-Wegener-Realschule berichtete, dass einige Kinder Kopfschmerzen hätten und ein Mädchen einen Bluterguss. "Wir sind ganz schön durcheinander gewirbelt worden", sagte Lehrer Michael Béye.

Die Ursache des Unfalls ist unklar. U-Bahn-Chef Ulrich Deinhardt sagte dem Tagesspiegel, dass die Black Box des Zuges vermutlich am Donnerstag ausgewertet sei. Die Experten untersuchten gestern das Gleis; nasses Laub auf den Schienen scheide allerdings angesichts der Jahreszeit aus. Den Schaden am Zug bezifferte Deinhard auf mindestens 30 000 Mark, wenn die Waggons sich nicht verzogen haben.

Lehrer Béye berichtete, dass das Personal in der ersten Reaktion von einem Bremsversagen gesprochen habe. "Die Betreuung nach dem Unfall durch die BVG war in Ordnung", berichtete der Lehrer. Allerdings hatte das Personal dem Lehrer das Fotografieren des beschädigten Zuges verboten.

Der Unfall geschah gegen 10 Uhr vormittags. Auf dem ausgedehnten Areal dort hat die BVG ein längeres Gleis für Testfahrten, unabhängig von den Streckengleisen der in Friedrichsfelde verlaufenden U 5. In die Betriebswerkstatt werden ab und zu ausgewählte Schulklassen eingeladen, um den Betrieb bei der BVG kennen zu lernen. Auch gestern gehörte zum Besichtigungsprogramm die Mitfahrt in einem Zug, und zwar einem der modernsten Baureihe "H". Schon etwa ein Viertelstunde war die Klasse mit dem Zug unterwegs gewesen. Nacheinander wurden neue Schüler in einen der beiden Führerstande geholt, damit der Fahrer jedem die Technik erklären konnte.

Glücklicherweise fanden diese Erklärungen nicht in dem Führerstand statt, der dann bei dem Aufprall zerstört wurde. Dadurch wurde der Aufprall für die Schüler am anderen Ende des 100 Meter langen Zuges stark gedämpft, denn zwischen jedem Waggon gibt es Dämpfer. Der Zug fuhr auf dem Testgleis ohnehin recht langsam, nur etwa Tempo 30. Für die Schüler sei der Ausflug trotz der Panne spannend und lehrreich gewesen, berichtete Béye. Auch weiterhin werde die BVG Schulklassen einladen.

Die 24 Züge dieser Serie sind seit zwei Jahren im Einsatz. Erstmals können Fahrgäste wie in einem ICE durch alle Waggons laufen, dies soll bei Andrang eine bessere Verteilung der Fahrgäste - und nachts eine höhere Sicherheit - gewährleisten. Nachteil ist, dass die Züge sich nur in der Werkstatt teilen lassen, die Züge also immer als Vollzug fahren müssen. 788 Fahrgäste finden Platz.

Zuletzt war im Mai 1998 eine S-Bahn der Linie 1 in Wannsee bei der Fahrt in die Kehranlage gegen den Prellbock gefahren, über das Gleisende hinausgeschossen und gegen einen Zug geprallt, der mit Fahrgästen auf dem angrenzenden Streckengleis unterwegs war.

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