Berlin : U-Haft wegen Fluchtgefahr Beide Terrorverdächtige müssen ins Gefängnis

Sie schwiegen auch beim Ermittlungsrichter

von und

Am Freitagabend kurz nach 20 Uhr fiel die Entscheidung: Der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Tiergarten gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt und erließ Haftbefehle gegen die am Donnerstag festgenommenen Terrorverdächtigen Samir M. (24) und Hani N. (28). Dem Deutschlibanesen M. und dem aus dem Gazastreifen stammenden N. wird die Vorbereitung eines schweren, staatsgefährdenden Verbrechens vorgeworfen.

Beide Männer haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert, sie schwiegen auch beim Ermittlungsrichter. Dieser sah aber Fluchtgefahr, nicht nur wegen der Höhe der zu erwartenden Strafe, sondern auch, weil beide Männer bereits Auslandsreisen mit gefälschten Ausweispapieren unternommen hatten. Berücksichtigung fanden nach Tagesspiegel-Informationen auch die Telefonüberwachungsprotokolle. So konnte nachgewiesen werden, dass Hani N. zwölf Kilo Schwefelsäure bestellt hatte, die aber nicht geliefert wurde.

Die Polizei hatte nach den Festnahmen der Männer und den Durchsuchungen ihrer Wohnungen in Neukölln und Kreuzberg außerdem Chemikalien, Unterlagen und Computer gesichert. Nach Tagesspiegel-Informationen wurde auch Salzsäure sichergestellt. Die Suche nach den Kühlpads, die ein Verdächtiger in großen Mengen über das Internet bestellt haben soll, blieb bisher erfolglos. Das in den Pads enthaltene Gel kann in Verbindung mit Säure hochexplosiv wirken und so ein Bestandteil von Bomben sein. Zwei Firmen hatten sich unabhängig voneinander an das Landeskriminalamt gewandt, weil ihnen die ungewöhnlich hohen Mengen, die privat bestellt worden waren, verdächtig vorkamen. Details zu den Firmen nannten die Ermittler nicht. „Wir sind dankbar, dass diese so kooperativ sind, und möchten nicht, dass sie in die Öffentlichkeit gezerrt werden“, hieß es.

Zudem bekam der Verfassungsschutz einen Hinweis eines US-Geheimdienstes. Die beiden Terrorverdächtigen waren seit mehr als zwei Monaten rund um die Uhr von Spezialkräften observiert worden. Die Polizei hatte für die Ermittlungen eine „Besondere Aufbauorganisation“ mit dem Namen „Regenschauer“ gebildet. Am Donnerstag um 10 Uhr erfolgten dann die Festnahmen. Außerdem wurden die Wohnung von Hani N. in der Heinrich-Schlusnus-Straße in Neukölln sowie die von Samir M. in der Urbanstraße in Kreuzberg durchsucht. Die Polizei rückte auch in die „Ar-Rahman-Moschee“ in Wedding ein – wegen des Verdachts, dass die Verdächtigen dort Chemikalien gelagert haben könnten.

Seit Tagen stand fest, dass der Zugriff am Donnerstag erfolgen sollte. „Dies hatte ermittlungstaktische Gründe“, hieß es offiziell. Doch ein Ermittler bestätigte, dass das Datum des zehnten Jahrestages von 9/11 mit dazu beigetragen habe, dass man vorab handeln wollte. Die Verdächtigen sind Salafisten und laut Ermittlern „radikalisiert“. Bei den Salafisten handelt es sich um ein islamistisches Milieu, das ein Leben streng nach den Regeln des frühen Islam anstrebt. Nach unbestätigten Berichten soll Samir M. versucht haben, nach Wasiristan zu reisen, wo Terroristen ausgebildet werden.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar