Nach 25 Jahren Regierungsarbeit : Matthias Platzeck, ein Häuschen in der Uckermark und die große Politik

Matthias Platzeck will nach seinem Abschied aus dem Landtag mehr Zeit in seinem neuen Häuschen in der Uckermark verbringen. Ganz los lässt ihn die Politik aber nicht.

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Seine Wahl. Am Sonntag ging Matthias Platzeck mit seiner Frau zur Stimmabgabe. Ab heute ist er kein Abgeordneter mehr.
Seine Wahl. Am Sonntag ging Matthias Platzeck mit seiner Frau zur Stimmabgabe. Ab heute ist er kein Abgeordneter mehr.Foto: dpa

Es war sein letzter Tag als Landtagsabgeordneter: Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) schlenderte mit seiner Frau Jeanette damals in Potsdam-Babelsberg zum Wahllokal. Mit dem Landtag, dem er seit der ersten Sitzung im Jahr 1990 angehörte, und der neuen Landesregierung hat er nichts mehr zu tun. Fast 25 Jahre prägte er die Politik und das Land, erst als Umweltminister, der ihm 1997 beim Oder-Hochwasser den Ruf als „Deichgraf“ einbrachte, und elf Jahre lang als Ministerpräsident, nur unterbrochen von einem vierjährigen Intermezzo als Oberbürgermeister von Potsdam. Nach einem Schlaganfall trat er im August 2013 als Regierungschef zurück und war für ein Jahr lang einfacher Abgeordneter.

Mit dem Schritt hat er seinen Frieden gemacht. „25 Jahre Regierungsarbeit hinterlassen ihre Spuren“, sagt Platzeck. Eigentlich wollte er sich mehr Ruhe gönnen und hat sich eigens ein Wochenendhäuschen in der Uckermark gebaut. Ganz los lässt ihn die Politik aber nicht, seine neuen Aufgaben nehmen ihn nicht weniger zeitlich in Anspruch als das Regierungsamt. Für die Friedrich-Ebert-Stiftung und als Vorsitzender des deutsch-russischen Forums macht Platzeck Außenpolitik, was angesichts der Ukraine-Krise und der Konfrontation zwischen Russland und dem Westen nicht einfach ist. Platzeck soll die Drähte nach Moskau offenhalten, plädiert konsequent dafür, die Gesprächsfäden mit dem Kreml nicht abreißen zu lassen und muss sich dafür als „Putin-Freund“ kritisieren lassen.

Auch sonst hat Platzeck noch einiges zu tun. Im Sommer wurde er ehrenamtlicher Aufsichtsrat des Babelsberger Oberlinhauses des Diakonischen Werks mit Klinik, Behindertenzentrum und Bildungseinrichtungen. Auch in den Aufsichtsrat der Babelsberger Filmstudios ist er gewählt worden. Und in Potsdam lässt sich Platzeck regelmäßig sehen, als Schirmherr der Landesstiftung „Hilfe für Familien in Not“. Oder im Sommer etwa beim Jubiläumsfest auf dem Pfingstberg, denn vor 25 Jahren hatten Platzeck und andere Bürgerrechtler und Umweltaktivisten die Rettung des Belvedere und des Pfingstbergs gestartet – in der DDR ein Akt des Protests. Und dann ist da ja auch noch das Häuschen in der Uckermark.

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