Berlin : Üben für Bagdad

Die Villa Borsig auf der Halbinsel Reiherwerder ist jetzt die Akademie des Auswärtigen Amtes

Matthias Oloew

Der Bundesaußenminister ist besorgt. Die Ausbildung des deutschen Diplomaten-Nachwuchses findet seit Jahresbeginn auf der Halbinsel Reiherwerder in Tegel statt, und Frank-Walter Steinmeier (SPD) fragt sich, „ob dieser Campus die richtige Einstimmung auf Einsatzorte wie Minsk, Kabul oder Bagdad ist.“

Der Campus ist der wohl schönste der Stadt und gehört jetzt der Akademie Auswärtiger Dienst. Mit seiner nicht ganz ernst gemeinten Sorge um die Ausbildung eröffnete Steinmeier am gestrigen Donnerstag die Akademie offiziell. Rund 25 Millionen Euro hat der Bund in die Akademie gesteckt, in neue Wohngebäude für die Studenten, in Seminargebäude und die denkmalgerechte Sanierung der einstigen Villa Borsig. Sie ist jetzt das Gästehaus des Außenministeriums und übergangsweise auch die Kantine der Akademie. Weil Autonome im vergangenen Jahr einen Brandanschlag auf den nahe gelegenen ehemaligen Pavillon du Lac verübt hatten, ist die Kantine noch im Bau. „Wir hoffen, sie im Januar 2007 fertig stellen zu können“, sagt Florian Mausbach, Präsident des Bundesamtes für Bauen und Raumordnung.

Die einzelnen Häuser auf der Halbinsel sind nach Kontinenten benannt. Neben der Kantine wird auch noch am Haus „Europa“ gearbeitet – einem Seminargebäude aus den 1970er Jahren, das wieder instand gesetzt wird. „Dass es ausgerechnet das Haus Europa ist, das noch nicht fertig ist, liefert mir ausreichend Stoff für meine Reden bei der bevorstehenden EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands“, witzelte Steinmeier weiter.

In den drei neuen Apartmenthäusern, die nach den Plänen des Berliner Büros Weitz und Sting entstanden sind, finden bis zu 200 Studenten Platz. Knapp 20 Quadratmeter messen ihre Zimmer, Bad inklusive. Gekocht wird in einer Gemeinschaftsküche auf dem Flur. Die eingezäunte Halbinsel ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, deshalb wird die Villa Borsig auch künftig nicht zu besichtigen sein.

Während der Außenminister Scherze auf Lager hat, sind es bei Reinickendorfs Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU) praktische Tipps zum Wohnen auf Reiherwerder. Als eine Studentin berichtet, dass sie Wildschweine von ihrem Fenster aus beobachtet habe, rät Wanjura: „Aber nicht füttern! Wildschweine können nicht zwischen Nudeln und Fingern unterscheiden.“

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