Berlin : Über 70 Bäume an der Friedrichstraße für 400-Millionen-Mark-Projekt gefällt

wik

Der kleine Park am Bahnhof Friedrichstraße ist gefallen: Von den 70 Bäumen gegenüber dem Internationalen Handelszentrum blieben nur noch traurige Stümpfe. An ihre Stelle tritt das Friedrich-Carré, ein Komplex aus sieben Einzelhäusern mit Wohn- und Gewerbeflächen der Züblin Projektentwicklung. Mit dem Park verschwindet eine der letzten Grünflächen im Bereich der Friedrichstraße.

Die Projektentwickler der Firma Züblin fackelten nicht lange. Am 23. Februar erhielten sie vom Bezirk die Fällgenehmigung, sechs Tage später fielen die zum Teil 40 Jahre alten Kastanien, Linden und Ahornbäume den Kettensägen schon zum Opfer. "Sehr schweren Herzens" habe man die Genehmigung zum Fällen der Bäume erteilt, berichtet der Leiter des Grünflächenamtes, Stefan Rauner. Andere Interessen hätten sich gegen die Bedenken des Bezirks durchgesetzt, sagt der Amtsleiter.

Eines dieser Interessen ist der Finanzbedarf des Landes Berlin. Es verkaufte das rund 11 000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem einst das berühmte Varieté "Wintergarten" stand, für weit über 100 Millionen Mark, wie Peter Koslowski von Züblin Projektentwicklung berichtet. Die Gesellschaft baut dort für rund 400 Millionen Mark einen Komplex aus sieben Häusern mit Innenhöfen, viel Glas und unterschiedlichen Natursteinfassaden. Sie sollen ab dem zweiten Halbjahr 2002 unter anderem 32 500 Quadratmeter Bürofläche, 9500 Quadratmeter Gewerbefläche und 10 000 Quadratmeter Wohnfläche beherbergen. Mit dem Erdaushub wird laut Koslowski Mitte dieses Monats begonnen. Das Carré-Projekt ist nicht das einzige, das derzeit an der Friedrichstraße ensteht: Das Handelszentrum wird durch zwei Schwesterbauten ergänzt, zwischen dem Metropoltheater und der Spree entsteht ein Verbände- und ein Wohnhaus, und an der Ecke Friedrichstraße / Schiffbauerdamm soll die Lücke, die das abgerissene Hotel Adria hinterlassen hat, mit fünf Bauten gefüllt werden. Für Bäume und Grün bleibt da kaum noch Platz. Deshalb will der Bezirk die letzten Freiflächen in diesem Bereich - das Gebiet nördlich des Tränenpalastes sowie die Fläche vor dem Hotel Unter den Linden - unbedingt bewahren. Er hoffe da auf einen Lernprozess in der Senatsverwaltung, sagt Baustadtrat Thomas Flierl (PDS). Man müsse der städtebaulich einzigartigen Situation an der Friedrichstraße nicht nur durch Bebauung, sondern auch durch Gestaltung des öffentlichen Raumes Rechnung tragen.

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