Berlin : Über den Daumen gepeilt Wie zählt man eine Million Leute?

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Eine Million Menschen sollen Silvester vor dem Brandenburger Tor gefeiert haben. Nicht Einemillionzweihundertzehntausend, nicht Neunhundertsiebzigtausend. Nein, genau eine Million. Wie kommt diese schöne runde werbewirksame Zahl eigentlich zustande? Und: Stimmt sie wirklich?

Anja Marx, Sprecherin von „Silvester in Berlin“, sagt am Neujahrsmorgen: „Ach, die Zählerei, das macht doch die Polizei.“ Nein, weder Kameras noch Huschrauber noch Menschenzähler mit Strichlisten habe der Veranstalter eingesetzt, um die Menge zu zählen. Es seien „Erfahrungswerte“, die zur diesjährigen Quote geführt hätten. „Dafür hat der Chef einen scharfen Blick.“

Ein Blick reicht wohl kaum, sagt dagegen Frank Thiele, Sprecher der Polizeidirektion Sechs, die den Einsatz am Brandenburger Tor koordiniert hat. Wenn die Polizei richtig zählt, dann hat sie genaue Angaben über die Quadratmeter, über die sich die Veranstaltung erstreckt, dann prüft sie per Hubschrauberüberflügen und Kameras die Dichte der Menge und geht davon aus, dass sich auf einem Quadratmeter drei Personen drängeln. Dann rechnet sie hoch. Allerdings: Entgegen Anja Marx’ Auskunft hat auch die Polizei in der Silvesternacht nicht gezählt.

„Wir haben uns an die Zahlen des Veranstalters gehalten“, sagt einer der Einsatzorganisatoren. „Die haben wir nicht näher nachgeprüft.“ Wieso auch? Bei politischen Versammlungen sei es wichtig, die Stärke der Szene im Auge zu behalten. Bei feiernden Berlinern nicht. Warum auch kritisch sein? Die Silvesterfeier sei doch Werbung für die Stadt. Das wolle man nicht kleinreden. Ob die Million dann noch der Wahrheit entspreche?

„Hm“, sagt der Polizist. „So genau sind solche Schätzungen ja nicht, die können schon mal um ein paar Zehntausend variieren. Aber könnte hinkommen. Wenn man alle einrechnet, die am 31. mittags dort schon ein Würstchen gegessen haben.“ rcf

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