Berlin : Über den Tellerrand weit hinaus

Berliner Schüler feiern ein Frühstücksfest in der Ufa-Fabrik und helfen dabei Schülern in Afrika

Bianca Weber

Bildungssenator Klaus Böger mag mitteleuropäisches Frühstück - mit Ei und Aufschnitt. Ingeborg Schäuble, Vorsitzende der deutschen Welthungerhilfe, dagegen greift lieber zur Scheibe Vollkornbrot mit vegetarischem Aufstrich. Beim gestrigen Weltfrühstück, einem Fest Berliner Schulen, in der Ufafabrik in Tempelhof sprachen die beiden über Frühstücksgewohnheiten von Berliner Schülern und über den Hunger von Kindern in Afrika.

Die Veranstaltung bildete den Abschluss einer Projektwoche von elf Berliner Schulen, die sich vom 9. bis zum 13. Dezember mit dem Thema Frühstück beschäftigt haben. Gestern informierten sie über heimische und internationale Speisen und verkauften diese. Der Erlös kommt der Schülerspeisung im westafrikanischen Mali zugute.

Die deutsche Welthungerhilfe hat das Projekt initiiert, weil mehr als ein Drittel aller Berliner Schüler morgens aus dem Haus gehen, ohne etwas gegessen zu haben. „Mit hungrigem Magen kann man nicht lernen“, sagte Böger. Dass die Schüler nun darüber nachgedacht hätten, wie wichtig das Frühstück sei, zeigten ihre Arbeiten, so Schäuble. Die Welthungerhilfe wolle aber nicht nur das deutsche Frühstück wieder interessanter machen, sondern gleichzeitig über den Tellerrand hinausschauen und das morgendliche Essverhalten von anderen Kulturen bekannt machen. „Wir haben keine Zeit oder keine Lust früh etwas zu essen“, sagte Schäuble. „Schüler in anderen Ländern haben gar kein Frühstück. Sie gehen abends hungrig zu Bett und stehen wieder hungrig auf.“

Davon kann der malische Schriftsteller Idrissa Keita erzählen. „Als mein Vater 1968 keine Arbeit hatte, weil wir aus unserem Dorf in die nächste Stadt gezogen sind, habe ich Hunger kennnen gelernt.“ Es hätte zwar jeden Tag etwas gegeben, aber nicht immer genug“, sagte Keita. „Hat denn Mali eine Frühstückskultur“, fragte ihn ZDF-Moderatorin Juliane Hielscher. Die Menschen im Süden des Landes würden Milchreis essen, im Norden gehacktes Fleisch, so Keita. „Ich musste mich ziemlich umstellen, als ich nach Deutschland kam.“

Aber auch die am Projekt beteiligten Schüler lernten in den vergangenen Tagen, dass nicht überall Cornflakes auf dem Tisch stehen. In der Ufafabrik stellten sie unter anderem die Gewürze Indiens vor und Häppchen aus Israel.

Melanie (18) von der Robert-Blum-Oberschule, die sich mit dem Thema „Ohne Wasser kein Frühstück“ beschäftigt hat, fand die Aktion eine „nette Idee“. „Man hat gelernt, was andere Kulturen essen, und dass man vieles für selbstverständlich nimmt“, sagte sie. Durch ihr Thema hätte sie festgestellt, dass ohne Wasser gar nichts zustande käme. Von einem Frühstück vor der Schule konnte sie das Projekt jedoch nicht überzeugen. „Morgens bekomme ich nichts runter“, so Melanie.

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