• Über die Kunst des Geräuschemachers. Wie man einst im Funkhaus den Regen, den Wind oder Tritte im Schnee erzeugte

Berlin : Über die Kunst des Geräuschemachers. Wie man einst im Funkhaus den Regen, den Wind oder Tritte im Schnee erzeugte

CS

Früher wurde seinem Beruf höchster Respekt gezollt, denn er hatte Tricks wie ein Zauberer parat und konnte fantasievoll improvisieren. Er erzeugte den Regen, den Wind und sogar manchmal den Donner und gab acht, dass Tritte im Schnee überzeugend klangen. Er hieß Geräuschemacher und war von Beginn an im Funkhaus an der Masurenallee bis zum Ende der 50er Jahre einer der wichtigsten Männer in jedem Hörspielteam.

"Das war die Zeit, als die akustischen Geschichten im Radio noch eine Menge Popularität genossen", erinnert sich Manfred Mixner, der heutige Chef der Hörspielredaktion im Sender Freies Berlin.

Denn Hörspiele wurden nicht nur gesendet, sie waren auch ein öffentliches Kulturereignis. Publikum schaute den Schauspielern und Sprechern zu, entweder im großen Hörspielstudio im Haus des Rundfunks oder in mehreren Theatern der Stadt, die ihre Bühnen für diese sogenannten "Sendespiele" zur Verfügung stellten. Und die Hörer am Radio waren gleichfalls dabei, weil solche Spiele in der Regel unmittelbar übertragen wurden.

"Das ähnelte ein wenig den heutigen Fernsehshows", sagt Mixner. Das Publikum bekam damals allerdings mehr zu sehen, denn es erlebte auch die Kunst des Geräuschemachens. Wie wurde beispielsweise Regen erzeugt? "Dafür nahmen unsere Vorgänger ein großes Sieb mit Metalleinsatz und füllten Trockenerbsen hinein", erzählt der SFB-Mann. Dann wurde es hin und hergeschwenkt. Das trommelte und rauschte verblüffend ähnlich.

Und wie simuliert man den Wind? Er kam aus der Windmaschine. Über zwei große Metallräder lief ein breites Gummiband, von einer Handkurbel angetrieben. Wer sie drehte, brauchte viel Gefühl. Wurde er langsam, säuselte es im Saal, legte er sich ins Zeug, heulte mächtig der Sturm. Diese Maschine mußte allerdings weit vom Mikrofon entfernt sein, sonst hätten die Geräusche des Kurbelns gestört.

Erst seit Beginn der 60erJahre kommen viele Geräusche für Hörspielproduktionen auch vom Band und oft aus dem Schallarchiv. Doch in der Regel versucht das Aufnahmeteam, seine Tonquellen sinnvoll zu kombininieren, denn manches Geräusch lässt sich unmittelbar einfacher erzeugen. Wird beispielsweise ein Fenster zur Straße geöffnet, drehen Geräuschemacher tatsächlich den Griff und öffnen die Flügel, der Straßenverkehr wird dann im richtigen Moment eingespielt.

Und auch Schritte im Schnee lassen sich am besten direkt erzeugen. Dafür legen die Leute vom Sender Freies Berlin weiche Styroporplatten aus. Wer darüber läuft, erzeugt das Knirschen im Tiefschnee.

Und was tun, falls Jalousien im leisen Wind rascheln? Mixners Tip: Man dreht Zeitungspapier zum Bausch zusammen und streicht damit möglichst sachte über die Pianotasten.

Geräuschemachen ist also noch heute eine Kunst, aber kein eigenständiger Beruf mehr wie vor vierzig Jahren. Doch das Hörspiel "ist wieder stark im Kommen", sagt Manfred Mixner. Das hängt aus seiner Sicht mit der "Bibi-Blocksberg-Generation" zusammen. Mit jenen Leuten, die vor zehn Jahren abends oft heimlich im Bett ihre Hörspiel-Cassetten genossen und heute junge Erwachsene sind. "Die sind es gewohnt, sich aus Klängen ihre eigenen Fantasiebilder zu machen".

Deshalb sendet auch der SFB wieder öfter aus der Masurenallee Hörspiele und hat sich auf Kriminalstücke spezialisiert. Zum Beispiel auf "den guten Krimi zur Nacht" an jedem Sonntag abend, 22 Uhr, auf 88,8.

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