Berlin : Über drei Jahre Haft für diebischen Kassierer

Kerstin Gehrke

Das Ganovenstück eines Bankkassierers hat das Berliner Landgericht gestern mit drei Jahren und drei Monaten Haft geahndet. Der 29-jährige Michael V. hatte vor gut zwei Jahren rund 3,3 Millionen Mark aus Tresor, Kassen und Geldautomaten gestohlen und sich mit Hilfe von Freunden aus der Motorradszene zunächst nach Dänemark abgesetzt. Vor sechs Monaten wurde der frühere Kassierer einer Wilmersdorfer Sparkassenfiliale in Thüringen geschnappt. Dort führte er unter falschem Namen ein bescheidenes Leben als Mitarbeiter einer Abrissfirma. Wo etwa zwei Millionen Mark aus der Beute geblieben sind, weiß V. angeblich nicht.

"Ich wollte mein Leben ändern", hatte Michael V., ein hagerer Mann mit schütteren Haaren und randloser Brille den Richtern erklärt. "Vier Jahre habe ich in der Bank gearbeitet und immer das gleiche gemacht." Im Sommerurlaub 1999 in Schweden sei ihm die Idee gekommen, seine Bank auszuplündern. "Zwei Wochen nach meinem Urlaub habe ich es getan." Gezielt sorgte er für Zugang zu Geldern, spähte die Sicherheitsmechanismen aus und missbrauchte das Vertrauen von Kollegen.

Als sich am Abend des 27. August 1999 alle anderen Angestellten verabschiedet hatten, packte er das Geld zusammen. Er räumte Kassen aus, nahm Reiseschecks und plünderte auch die Geldautomaten. "Ein paar Scheine ließ ich aber drin, damit es für die Kunden übers Wochenende reicht", sagte der Angeklagte. Drei Kartons füllte er und traf sich noch kurz mit seinem besten Freund. Dem will er zum Abschied 40 000 Mark geschenkt haben. Dann begann seine Flucht, die er gemeinsam mit den im Prozess mitangeklagten Sascha W. und Jan G. geplant hatte. Die beiden Hamburger kannte der Motorradfan von Biker-Treffen. W. und G. halfen ihm bei der Flucht nach Dänemark. Angeblich nahm Michael V. nur 200 000 bis 300 000 Mark mit auf die Reise. Der Rest blieb nach seiner Aussage bei den Hamburgern. Die hätten ihm noch ein paar Mal Geld gebracht, sagte der Ex-Kassierer. Etwa eine Millionen Mark habe er in den 14 Monaten, die er sich in Dänemark aufhielt ausgegeben und "gut gelebt". Mit W. und G. sei ausgemacht gewesen, dass sie das Geld "waschen" sollten. W. habe wohl einen Porsche gekauft und auch ein bisschen Gold und ein paar Wertpapiere.

"Von dem ganzen Rest der Beute wissen Sie nichts?", wollte der Richter wissen. Nach dem kurzen Nein des Angeklagten meinte er nur: "Da sind Sie aber ein sehr vertrauensseliger Mensch." Die Hamburger beteuerten, dass sie jeder nur um die 60 000 Mark bekommen hätten. "Wir haben das gut verpackte Geld in unserem Laden zwar aufbewahrt, aber es hat keiner gezählt", sagte der 41-jährige W., der gemeinsam mit G. Wikinger-Schmuck verkauft. Ohne zu wissen, wie viel in einem "Packen" war, hätten sie V. ein paar Mal Nachschub gebracht.

Gegen die Männer aus Hamburg verhängte das Gericht wegen Beihilfe Bewährungsstrafen von jeweils zwei Jahren und Geldbußen in Höhe von je 10 000 Mark. Michael V. wurde zwar des Diebstahls in besonders schwerem Fall schuldig gesprochen. Für den nicht Vorbestraften sprach aus Sicht der Richter aber sein Geständnis und auch, dass der Geschädigte zu einer Gruppe gehöre, "die eine solche Summe als Peanuts bezeichnet". Mit dem Urteil wurde V. Haftverschonung gewährt. Bis zum Strafantritt darf er zunächst ins thüringische Kahla. Dort hat er auf der Flucht eine Köchin kennengelernt, die er nun heiraten will.

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