Berlin : ÜBER TOTE NUR GUTES

Entsorgt. Das Bild zeigt Gartenabfälle in einem Berliner Reste-Zentrum. Foto: dpa
Entsorgt. Das Bild zeigt Gartenabfälle in einem Berliner Reste-Zentrum. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Hat er’s nun gesagt oder nicht? Hat Peter Ramsauer den Friedhof Friedrichsfelde im Rahmen seiner Bemühung, das Marx-Engels-Forum vom Marx-Engels-Denkmal zu befreien, tatsächlich „so eine Art sozialistisches Reste-Zentrum“ genannt, wie die „Berliner Morgenpost“ schreibt? Ramsauers Büro sagt dazu nichts. In uns laufen dennoch allein ob der potenziellen Geschmacklosigkeit alle Satiredrähte heiß: Wenn schon diffamieren, finden wir, dann gleichmäßig. Darum hier unsere Vorschläge für konservative Politiker:

Tuntenfriedhof

Sie sind konservativer Politiker und genervt von der wachsenden Zahl an Mahnmale für Homosexuelle in der Stadt? Dann fordern Sie doch einfach, den ganzen Kladderadatsch auf dem

Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg abzuladen. Da gibt es zahlreiche queere Gräber, die schwule Szenegröße Bernd Boßmann betreibt ein Friedhofscafé, und auch sonst passt das hier doch viel besser hin als etwa in den schönen Tiergarten. Oder?

Sozialistisches Reste-Zentrum II

Sie sind konservativer Politiker und genervt von dem Gewese um Berlins Promi-Friedhof Nummer 1? Dann moderieren Sie den Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte doch mal richtig runter. Wer liegt da überhaupt so rum? Bertolt Brecht, Helene Weigel, Heiner Müller, Heinrich Mann – geben Sie’s zu: Für Sie ist das doch nur ein Friedrichsfelde

für Dichter.

Eierkopfkeller

Sie sind konservativer Politiker aus kleinen Verhältnissen und seit je genervt von den hochtrabenden Ausführungen der Intellektuellen um Sie herum? Dann stellen Sie sich doch mal an die Mauer des Dreifaltigkeitskirchhofs in Kreuzberg, um dort einmal kräftig „Klugscheißer!“ zu brüllen. Schleiermacher, Mommsen und die anderen dort verscharrten Hirnis wird es herzlich freuen.

Friedhof der Versagerchaoten

Über den Friedhof der Märzgefallenen in Friedrichshain haben Sie sich schon immer gewundert: dass Revolutionäre einen eigenen Friedhof bekommen, noch dazu gescheiterte – was soll das? Der neue Name bringt das auf den Punkt.

Schizo-Acker

Gut, das ist jetzt völlig gaga, aber was plumpes Verallgemeinern angeht, sind Sie ja eh schmerzfrei. Drum zum Schluss: Weil E.T.A. Hoffmann dort begraben liegt, nennen Sie den Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde in Kreuzberg bitte fortan Schizo-Acker. Und legen sich beizeiten dazu. Ok? Ok.

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