Überblick : Die Berliner Schulreform

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) hat vor Beginn des neuen Schuljahres 2005/06 das bisher größte Reformjahr an den Berliner Schulen angekündigt. Die wichtigsten Neuerungen:

GANZTAGSSCHULEN



Alle rund 400 Grundschulen garantieren Von 7.30 bis 13.30 Uhr eine verlässliche Betreuung auch außerhalb des Unterrichts. Je nach Bedarf können Eltern zudem bereits ab 6Uhr morgens und bis 18Uhr abends ein Hortangebot in Anspruch nehmen. Bis auf drei Ausnahmen stellen alle Grundschulen einen Hort mit Mittagessen bereit. Zudem gibt es Grundschulen, in denen der Unterricht in den Nachmittag hinein gestreckt wird. Hier ist die Anwesenheit bis 16 Uhr kostenlos und verpflichtend. Die Zahl dieser Schulen steigt von 49 auf 64.

FRÜHERE EINSCHULUNG

Bislang waren Kinder schulpflichtig, die bis zum 30.Juni 6Jahre alt waren. Jetzt ist dieser Stichtag der 31.Dezember. Dies bedeutet, dass die jüngsten Kinder bei der Einschulung fünfeinhalb Jahre alt sein werden. Zudem gibt es keine Rückstellungen mehr mangels Schulreife.

FLEXIBLER LERNEN

Je nach Reife und Fähigkeiten kann ein Schüler die ersten zwei Klassen künftig in ein, zwei oder drei Jahren durchlaufen. Schnelllerner können also bereits nach neun Jahren die mittlere Reife und nach elf statt zwölf Jahren das Abitur ablegen. Wer dann auch noch am Expressabiturzug teilnimmt, der die achte Klasse überspringt, besitzt nach zehn Schuljahren bereits die Hochschulreife.

MITTLERER SCHULABSCHLUSS

Den Mittleren Schulabschluss erwirbt man nicht mehr mit dem Bestehen der zehnten Klasse. In den Hauptfächern werden landesweit einheitliche Arbeiten geschrieben, in der Fremdsprache kommt eine mündliche Prüfung hinzu. Außerdem müssen die Schüler in einem weiteren Fach ihr Wissen durch eine besondere Präsentation, etwa einen Vortrag oder eine multimediale Darbietung beweisen.

ZENTRALABITUR

Die jetzigen Zwölftklässler werden nach neuen Rahmenplänen unterrichtet, mit denen sie auf das erste Berliner Zentralabitur im Jahr 2007 vorbereitet werden. Dies gilt für alle gymnasialen Oberstufen. Auch bei den Fachabiturienten werden die Aufgaben  zentralisiert.

BERUFSSCHULEN

Wegen mangelnder Ausbildungsplätze werden die Kapazitäten der beruflichen Schulen weiter ausgebaut. Der im vergangenen Jahr gestartete neue Schultyp der "Berufsoberschule" wird von acht auf 14 Standorte erweitert. Das Besondere an der Berufsoberschule ist, dass man hier nicht nur die fachgebundene, sondern auch die allgemeine Hochschulreife erwerben kann.

HAUPTSCHULE

Um die Chancen der Hauptschüler zu verbessern, soll ihr Unterricht noch praxisnäher werden. Das neue "Netzwerk Berliner Hauptschulen" soll dabei helfen, die Verbindungen zu Betrieben zu stärken. Anders als erhofft hat der Senat aber keine zusätzlichen Stellen zur Verfügung gestellt, um die Zahl der Schüler ohne Abschluss und ohne Ausbildungsplatz zu reduzieren.

JAHRGANGSMISCHUNG

Die ersten beiden Jahrgangsstufen sollen künftig gemischt werden. Schüler der ersten und zweiten Klasse werden also zusammen unterrichtet. 21 Schulen haben bereits Erfahrungen mit dem jahrgangsübergreifenden Lernen gesammelt. In diesem Schuljahr kommen 27 Schulen hinzu, bis 2007/08 sollen alle Grundschulen die Mischung praktizieren.

RAHMENPLÄNE

In Kraft treten jetzt die neuen Rahmenpläne für den naturwissenschaftlichen Unterricht in den fünften und sechsten Klassen sowie für die Oberstufe (Klassen 11 und 12) im Hinblick auf das Zentralabitur. Außerdem werden neue Lehrpläne für die Mittelstufe (Klassen7 bis 10) diskutiert, die als Entwurf vorliegen.

UND AUSSERDEM

- Die Vorklassen gibt es nicht mehr.

- Die sechsten Klassen haben zwei zusätzliche Stunden, weil dieser Jahrgang das Abitur erstmals nach zwölf Jahren ablegen soll. Dies kommt den Naturwissenschaften zugute.

- Zwei weitere Gymnasien starten mit fünften Klassen: die mathematisch profilierten Gymnasien Heinrich-Hertz in Friedrichshain und Herder in Charlottenburg.

- Erste Klassen mit über 40 Prozent Ausländerrate brauchen nicht rund 25, sondern nur 20 Kinder aufzunehmen.

- Deutschkurse für die Mütter von ausländischen Schülern werden ausgeweitet. Die Kapazität steigt von 6000 auf 9500 Plätze. (Von Susanne Vieth-Entus)

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