Berlin : Überdachtes Abenteuer

Rutschen, Klettern, Trampolinspringen: Berlins Indoorspielplätze haben Kindern eine Menge zu bieten Allerdings warnen Experten vor Gefahren – worauf Eltern achten sollten, damit aus Spaß nicht Ernst wird

Hannes Heine

Wind, Regen, Dunkelheit. Der Herbst ist da, die Temperaturen sinken, in Parks und auf Spielplätzen wird es leerer. Das ist die Zeit, die Torkjell Bauer herbeigesehnt hat. Der Mann freut sich über schlechtes Wetter, denn er betreibt den Hallenspielplatz „Bambooland“ in Lichterfelde. Und je kälter es wird, desto mehr Kinder kommen in sein Spielparadies. Auf drei Etagen kann man sich in der Halle verausgaben. Auf dem Trampolin, auf Rutschen und Karussells oder auf der Kletteranlage. Im hauseigenen Café gibt es Eis und Süßigkeiten. Das Bambooland lässt einen das Wetter vergessen, sagt Bauer. „Auch wenn es draußen kalt ist, müssen wir oft gar nicht heizen. Die vielen tobenden Kinder erzeugen genug Wärme.“

Elf Indoorspielplätze gibt es inzwischen in Berlin. Tausende Kinder werden sie in den nächsten Wochen aufsuchen – und Hüpfburgen erklimmen, mit Autoscootern fahren und Ballschlachten veranstalten. Schließlich haben gerade kleine Kinder im Winter sonst wenig Gelegenheit, sich richtig auszutoben. In Hallenspielplätzen können sie Gleichaltrige treffen, sogar ihren Geburtstag feiern oder gleich mit der ganzen Schulklasse anrücken. An guten Tagen toben alleine im „Bambooland“ 200 Mädchen und Jungen. Klar, dass Torkjell Bauer dabei auch mal die eine oder andere Träne trocknen muss. „Ein Kühlakku und ein paar Pflaster habe ich immer da.“ Außerdem hat er Hinweisschilder für die Eltern an den einzelnen Geräten angebracht. So dürfen einige Anlagen nur in Begleitung eines Erwachsenen benutzt werden, manche Hüpfburgen eignen sich nur für bis zu 40 Kilogramm schwere Kinder. Wieder andere Geräte dürfen nur von jeweils einem Kind benutzt werden – zum Beispiel das Trampolin: „Sind mehrere Kinder gleichzeitig darauf, könnten sie beim Springen zusammenstoßen“, sagt Bauer.

Erst kürzlich hat sich die Stiftung Warentest bundesweit 19 Hallenspielplätze angesehen. Im Magazin „test“ kommen die Kontrolleure zu einem harten Urteil. Bei der Mehrzahl der überprüften Spielplätze wurden erhebliche Mängel festgestellt. Auch die zwei in Berlin getesteten Indoorspielplätze bekamen die Wertung „mangelhaft“. Im Reinickendorfer „Jacks Fun World“ und im Marzahner „Bim & Boom“ fanden die Tester Rutschen, an denen sich Kapuzen oder Kordeln verfangen und so zur tödlichen Falle für Kinder werden könnten. Außerdem wurden harte Böden und Spielgeräte bemängelt, an denen sich Kinder Quetschungen zuziehen könnten. Zwar haben beide getesteten Berliner Hallen ihre Mängel umgehend beseitigt. Verbraucherschützer warnen aber immer noch vor zu viel Leichtsinn. „Kunden sollten sich bewusst sein, dass es ein risikoreiches Geschäft sein kann“, sagt Robert Rath vom Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit. Anders als bei öffentlichen Spielplätzen oder Weihnachtsmärkten gibt es bislang keine Behörde, die regelmäßig Hallenspielplätze auf ihre Sicherheit überprüft.

Schon aus pädagogischen Gründen raten Erzieher Eltern, beim Besuch eines Spielplatzes den Nachwuchs nicht sich selbst zu überlassen. Darauf haben die Betreiber von Hallenspielplätzen mittlerweile reagiert. Gestresste Mütter, die ihre Kinder nur abgeben und den Spielplatz gleich wieder verlassen wollen, werden auf ihre Aufsichtspflicht hingewiesen. Torkjell Bauer und seine Kollegen in den anderen Berliner Hallenspielplätzen bitten Eltern, ihr Kind beim Spielen nicht zu lange aus den Augen zu verlieren. „Heutzutage sollten Eltern ohnehin mehr mit ihren Kindern spielen“, sagt Torkjell Bauer. Außerdem wird empfohlen, nach einem Siegel des Technischen Überwachungs-Vereins (TÜV) zu fragen. Die Berliner Hallenspielplätze nutzen inzwischen nur noch geprüfte Geräte. Die meisten Einrichtungen haben, wie das „Bambooland“ und das „Pups“, darüber- hinaus die fertige Kletteranlage nach dem Aufbau von einem Gutachter abnehmen lassen und fordern regelmäßig Kontrolleure an. In den meisten Hallenspielplätzen weisen Mitarbeiter die Besucher inzwischen auch darauf hin, dass Pullover mit Kordeln und Kapuzen vor dem Spielen ausgezogen werden müssen. Die Stiftung Warentest rät dringend, es dabei nicht zu belassen: Schlüsselanhänger, Ketten und Uhren sollten ebenfalls abgelegt werden. Wer auf diese Regeln achtet, muss sich um die Unversehrtheit seiner Kinder keine Sorgen machen. Und kann mit ihnen in den nächsten Wochen viel Spaß haben: Eltern dürfen zwar weder mitklettern noch rumhüpfen – aber viele Indoorplätze habe gute Cafés. Und bei manchen können die Erwachsenen zumindest Minigolf mitspielen.

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