Berlin : Überdreht

Christian van Lessen

Wie viel Riesenräder braucht die Stadt? Noch haben wir keins. Aber bald vielleicht zwei. Das eine am Zoo, das andere an der geplanten Anschutz-Arena in Friedrichshain. So ist das mit großen Ideen in Berlin: Sie werden geboren, schnell wieder verworfen, wie vor geraumer Zeit ein Riesenrad am Gleisdreieck. Dann werden sie unerwartet wiederbelebt. Und wie! Nun wetteifern, kaum zu glauben, gleich zwei Investoren, wer wohl schneller am großen Rad drehen könnte. Der am Bahnhof Zoo oder der im Umfeld des Ostbahnhofs. Und da Konkurrenz das Geschäft belebt, kommt vielleicht bald ein Dritter, der ein noch viel, viel größeres Riesenrad bauen will. Auf dem Flugfeld in Tempelhof zum Beispiel, das bald so nutzlos sein soll. Und gibt es gar insgeheim schon Pläne, ein fünftes Riesenrad ein wenig später auf dem Flugfeld in Tegel aufzustellen? Oder vor dem Reichstag, vor dem es so merkwürdig leer aussehen wird, wenn erst das geplante Mini-Olympiastadion wieder weg ist? Berlins Skyline könnte sich bald drehen, dass einem schwindlig vor Augen wird. Vielleicht aber dreht sich gar nichts. Allzu hochfliegende Pläne bergen leider die Gefahr, ein wenig überdreht zu sein.

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