Berlin : Übereifrige Polizei: Ein schräger Fall

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Wer hat das noch nie gemacht: die Autoreifen beim Parken schräg stehen lassen? Aber Achtung, dafür kann es ein Knöllchen geben! Eine Frau musste sich dafür jetzt sogar vor Gericht verantworten. Sie weigerte sich, 30 Mark Ordnungsgeld, für diese "Verkehrssünde" zu zahlen. Die Polizei besteht darauf, weil die Fahrerin damit angeblich den Verkehr behindert habe. Unmöglich findet das Maximilian Maurer von der ADAC-Zentrale München: "Wie soll das gehen? Man kann die Reifen ja nicht extra weit herausdrehen." In der Verkehrsordnung gebe es keinen Paragrafen, der besage, dass die Räder beim geparkten Wagen gerade stehen müssten. "Da war wohl jemand übereifrig", vermutet Maurer. Die Autofahrerin habe richtig gehandelt, nicht zu zahlen. "Vor Gericht kommt das nie durch."

Dass der Fall überhaupt vor den Kadi kam, kann auch der pensionierte Verkehrsrichter, Peter Fahlenkamp, kaum glauben. "Das ist doch absoluter Blödsinn, grotesk! Ich hätte einen solchen Quatsch-Fall sofort wegen Geringfügigkeit eingestellt", versichert er. Fahlenkamp: "Die Justiz muss von solchen Bagatellen entlastet werden." Schräg stehende Reifen sind ihm in seiner 17-jährigen Amtszeit als Verkehrsrichter nie vorgekommen. Wie genau die Autoräder der Fahrerin den Verkehr behindert haben sollen, kann Michael Koch vom Referat Verkehrsdienst der Polizeidirektion 2 (Wilmersdorf, Spandau, Charlottenburg) nicht sagen. Zwar habe sich der Fall in seinem Zuständigkeitsbereich ereignet, er sei damit jedoch nicht betraut. "Im Einzelfall kann es schon sein, dass schräg stehende Reifen den Verkehr an engen Straßen behindern." Ein solcher Fall sei ihm aber noch nie begegnet, gibt der Polizist zu. Seine Kollegen müssen nun beweisen, dass die Reifen der Fahrerin tatsächlich den Verkehr behinderten. Bis dahin hat der Richter den Fall ausgesetzt.

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