Überfälle : Berliner Banken ratlos wegen gesprengter Geldautomaten

In diesem Jahr sind in Berlin bereits 14 Geldautomaten gesprengt worden. Komplizierte Sicherungssysteme versagen. Nun reagieren einige Banken mit einem Schritt, der nachtaktive Kunden ärgern dürfte.

Kristina Wollseifen
Gesprengter Geldautomat. In diesem Jahr schlugen Kriminelle in Berlin bereits 14 Mal zu.
Gesprengter Geldautomat. In diesem Jahr schlugen Kriminelle in Berlin bereits 14 Mal zu.Foto: dpa

Julia Topar ist ratlos. „Man kann nur spekulieren, wieso Kriminelle immer wieder versuchen, Bankautomaten auszurauben“, sagt die Sprecherin des Bankenverbands. „Im Zweifel kommt man an das Geld gar nicht heran.“ Die Automaten seien schließlich gut gepanzert, bei einer gewaltsamen Öffnung explodierten außerdem direkt die eingebauten Farbpatronen – naja, jedenfalls sollen sie das. Auch Topar weiß: „Nicht alle Automaten sind mit den Farbpatronen ausgestattet.“

Und auch nicht in jedem Automaten, an dem ein Schild eine solche Ausstattung angibt, müssen wirklich Farbpatronen drin sein. Dann diene das Schild nur zur Abschreckung. „Aber man kann sich nie sicher sein“, sagt Topar. Genau weiß man auch nicht, ob die Täter, die einen kompletten Automaten mitgenommen haben, das erbeutete Geld nutzen können oder ob es durch das Öffnen unbrauchbar wurde. Farbpatronen färben das Geld rot, ein Funkenschlag beim Aufschweißen würde auch alles vernichten.

In diesem Jahr sind bereits 14 Geldautomaten gesprengt worden. Um den Überfällen vorzubeugen, schränken Volksbank, Sparkasse und Commerzbank wie berichtet ihre Nachtöffnungszeiten in ausgewählten Filialen ein. „Bei dem massiven Vorgehen ist es schwierig, weitere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen“, sagt Mathias Paulokat, Commerzbank-Sprecher für Berlin. Die Gerätehersteller seien nun gefragt.

Die Sparkasse muss wegen der Nachtschließungen extra einen Sicherheitsdienst in die Filialen schicken, die keinen automatischen Sicherheitsmechanismus haben. Bei der Deutschen Bank heißt es, man wolle „lageabhängige Maßnahmen treffen“.

Die Banken sind froh, dass bisher keine Personen bei den Überfällen verletzt wurden. Nicht selten wurden die Gebäude, in denen oft auch Menschen wohnen, beschädigt. Generell haben alle Banken ihre Automaten gegen Sachschäden sowie deren Inhalt versichert. Da die Bank immer genau wisse, wie viel Geld sich im Automaten befindet, ersetzt die Versicherung laut Bankenverband den Schaden. Aber die Prämien dafür können nun steigen, wie Volksbank-Sprecherin Nancy Mönch sagt.

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