Berlin : Überfall auf ADAC-Chef geklärt

WERNER SCHMIDT

Fünf Haftbefehle / Frankfurter Berufsverbrecher als Drahtzieher / Tip vom HandwerkerVON WERNER SCHMIDT BERLIN.Der Überfall auf den ADAC-Vorsitzenden Wolf Wegener gilt bei der Polizei als vollständig aufgeklärt.Derzeit sitzen bereits fünf Tatbeteiligte in Haft.Nach dem Drahtzieher, einem Frankfurter Berufsverbrecher, wird inzwischen mit internationalem Haftbefehl gefahndet.Ein Zielfahndungskommando der Berliner Kriminalpolizei sucht ihn derzeit sowohl in Südeuropa als auch in Übersee.Der Tip zu dem Überfall kam nicht etwa, wie zunächst vermutet, von einem Bankangestellten, sondern von einem Handwerker.Der Spandauer Malermeister hatte zuletzt vor mehreren Jahren im Haus der Wegeners gearbeitet. Die bisherigen Ermittlungen zu dem Fall lesen sich wie ein zweitklassiger Kriminalroman: Während eines Urlaubs in Südeuropa traf der Handwerker auf den 34jährigen Berufsverbrecher Peter K.aus Frankfurt, dessen Vorstrafenregister sich wie eine Abenteuerreise durch das Strafgesetzbuch liest.Der Malermeister protzte offenbar damit, bei welchen Prominenten er bereits gearbeitet hatte.Dabei entstand nun der Plan, die Wegeners zu überfallen, ermittelte die Raubinspektion des Landeskriminalamtes. Im Frühjahr dieses Jahres lernte K., wiederum bei einer Urlaubsreise, die beiden Berliner Lars G.und Dirk B.kennen.G.arbeitete zu diesem Zeitpunkt bei der Berliner Bankgesellschaft im Bereich des Aktienhandels.Mit B.zusammen betreibt er nicht nur ein Sonnenstudio an der Pariser Straße in Wilmersdorf, sondern auch eine Hausverwaltung und eine Wohnungsvermittlung Der Frankfurter Gangster half Dirk B.beim Kauf und der Überführung eines Autos nach Deutschland und frischte während der diesjährigen Funkausstellung die Urlaubsbekanntschaft auf.Während dieses Treffens eröffnete er ihnen seinen Plan und fragte, ob sie nicht jemanden kennen, der den Überfall ausführen könne.Erste Vermutungen der Polizei, daß G.möglichweise beruflich erhaltene Kenntnisse für den Überfall weitergegeben haben könnte, bestätigten sich nicht. Nun kommen zwei Polizisten ins Spiel, die wegen verschiedener Verfehlungen zu diesem Zeitpunkt bereits vom Dienst suspendiert waren und unter chronischem Geldmangel litten.Lars G.und Dirk B.kannten die beiden Beamten aus einem Reinickendorfer Sportstudio.Diese sagten schließlich zu, den Coup auszuführen.Ausgestattet mit kaum passenden Uniform-Teilen, überfielen sie am 6.September die Wegeners.Der tatsächliche Wert der Beute lag mit schätzungsweise 500 000 Mark deutlich unter dem erwarteten siebenstelligen Betrag. Der Malermeister, von dem der Tip stammte, kaufte die Mehrzahl der erbeuteten Schmuckstücke und zahlte dafür einige tausend Mark.Damit wurden nach Kripo-Ermittlungen die beiden Polizisten abgefunden.Mit den kostbareren Stücken tauchte K.unter.Möglicherweise hat er das wertvollste Stück noch bei sich: eine Halskette mit herzförmig geschliffenem Stein.Der Wert wird mit über 100 000 Mark angegeben.

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