Berlin : Überfall im Amtsgericht

Räuber bedrohten 50 Teilnehmer einer Auktion

Klaus Kurpjuweit

Bei einem dreisten Coup in einem Gerichtsgebäude haben drei bewaffnete und maskierte Täter vor etwa 50 Augenzeugen gestern mehrere zehntausend Euro erbeutet. Die Unbekannten entkamen.

Die drei Täter waren eine Stunde nach dem Beginn der Zwangsversteigerung eines Einfamilienhauses in den Saal des Grundbuchamtes Schöneberg an der Ringstraße in Lichterfelde gestürmt. Sie forderten die 50 Anwesenden auf, sich auf dem Bauch auf den Boden zu legen. Dann räumten sie das Geld ab, das auf dem Tisch vor dem Rechtspfleger lag, der die Versteigerung leitete.

Wenn bei einer Versteigerung ein Beteiligter eine so genannte Sicherungsleistung verlangt, müssen die Interessenten zehn Prozent des Verkehrswertes beim Auktionator hinterlegen – in Form von Schecks, Bürgschaften oder Bargeld. Bevorzugt wird in der Regel meistens das Bargeld.

Der Verkehrswert des zu versteigernden Hauses war mit rund 400 000 Euro angesetzt. Wie hoch die hinterlegte Summe war, teilte die Polizei nicht mit. Die 50 Anwesenden wurden nicht beraubt. Die Täter flüchteten in einem schwarzen Mercedes der A-Klasse.

Der Bund deutscher Kriminalbeamter (BdK) befürchtet nun, dass es bald Nachahmertäter geben wird, da die Gerichtsgebäude in der Regel nicht gesichert seien. Stellen für Justizwachtmeister seien gestrichen worden, kritisierte gestern der BdK-Landesvorsitzende Lutz Hansen. Er fordert, dass Besucher strenger kontrolliert werden und gegen Vorlage eines Ausweises Besucherkarten erhalten. Sensible Bereiche in den Gebäuden müssten zusätzlich geschützt werden, so Hansen.

Erst am Montag war es einem Mann, wie berichtet, gelungen, mit einem Knüppel bewaffnet im Kriminalgericht Moabit auf Generalstaatsanwalt Hans-Jürgen Karge in dessen Amtszimmer loszugehen. Der Mann hatte den Knüppel in eine Aktentasche eingearbeitet. Karge konnte sich gegen den Angriff wehren; der Täter wurde festgenommen und gestern in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Im September 2004 war ein Mann mit einer Pistole und einer Panzermine bewaffnet ins Sozialgericht eingedrungen.

Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) zeigte sich gestern erschüttert. Nach dem Vorfall im Sozialgericht sei ein Katalog „sicherheitsrelevanter Empfehlungen“ für die Gerichtsgebäude erstellt worden, erklärte sie. Im Kriminalgericht wurden die Kontrollen jetzt verschärft. Am Eingang werden Gepäckstücke nach Angaben der Justizverwaltung nun nicht mehr nur bei Verdacht, sondern grundsätzlich durchsucht.

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