Überfall in Neukölln : Stehenbleiben oder ich sauge!

Eine Neuköllner Verkäuferin wehrt sich erfolgreich. Andreas Conrad lobt den Staubsauger als handliche Antiräuberwaffe. Ein Kommentar.

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Sieht harmlos aus: Ein Staubsauger im Einsatz.
Sieht harmlos aus: Ein Staubsauger im Einsatz.Foto: picture alliance / dpa

Der erste Staubsauger der Weltgeschichte war äußerst sperrig und zur Kriminalitätsbekämpfung ungeeignet. Um 1875 in den USA entwickelt, benötigte er zum Transport einen Pferdewagen. Im Haus einzusetzen war er nicht, erfüllte seinen Zweck mittels hineingelegter Schläuche und wurde per Handkurbel angetrieben. Auch ließ sich mit ihm nur saugen, anders als mit dem von Loriot gepriesenen Modell: „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann.“ Damit schreckt man freilich keinen einzigen Finsterling ab, zur Not zöge dieser kurzerhand den Stecker.

Aber Not macht erfinderisch, die Angestellte eines Spätkaufs in der Neuköllner Richardstraße hat es in der Nacht zu Dienstag wieder einmal bewiesen. Zwei Räuber hatten sie kurz nach Mitternacht heimgesucht, Bargeld gefordert und dies durch Herumfuchteln mit einer Pistole nochmals unterstrichen. Zum Glück hatte die 59-Jährige ihren Staubsauger zur Hand. Nicht zum Saugen, nicht zum Blasen – nein, zum Hauen! Mit dem Staubsauger in der Hand, so ließ die Polizei wissen, sei die Frau auf die Räuber losgegangen, die ohne Beute davoneilten. Man kann sich also lebhaft vorstellen, wie das wie ein Schwert geschwungene Saugrohr durch die Luft pfiff, begleitet vermutlich von energischen Verbalattacken – kurz, hier half nur eilige Flucht.

Technische Weiterentwicklungen liegen da nahe, beispielsweise ein Gerät, das bei Bedarf mit vielfach verstärkter Saugleistung aufwarten kann. Und zwar so, dass der tückenhafte Räuber zwar nicht eingesogen, aber doch am Weglaufen nachhaltig gehindert wird. Eine Art pneumatische Fessel mittels Luft, je nach Körpergewicht individuell regulierbar – humaner geht es nun wirklich nicht mehr.

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