Überfall in Potsdam : Zahlreiche Hinweise - noch keine heiße Spur

Nach der Veröffentlichung der mutmaßlichen Täterstimmen sind bei der Polizei zahlreiche Hinweise zu dem rassistischen Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam eingegangen. Der 37-Jährige ringt weiter mit dem Tod.

Berlin - Nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) gibt es aber trotz zahlreicher Hinweise aus der Bevölkerung noch keine heiße Spur. Er sei aber zuversichtlich, dass die Täter bald gefasst würden, sagte er am Mittwochmorgen im Inforadio Berlin-Brandenburg. 90 Prozent aller Gewalttaten würden aufgeklärt.

Das 37-jährige Opfer, ein aus Äthiopien stammender Ingenieur, wurde am Sonntagmorgen vermutlich von Neonazis zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Er erlitt ein schweres Schädelhirntrauma, Verletzungen an Brust, Rippen und linkem Auge. Der mit einer Potsdamerin verheiratete Vater zweier Kinder liegt seit einer Notoperation im künstlichen Koma und ringt weiter mit dem Tod.

Schönbohm warnte unterdessen vor voreiligen Schlüssen, was das fremdenfeindliche Motiv der Täter betrifft. Der überfallene Mann habe zwar eine schwarze Hautfarbe, «wie die Tat abgelaufen ist, kann man aber nicht mit Sicherheit sagen», erklärte Schönbohm. «Es war Nacht auf einsamer Straße», sagte Schönbohm weiter. In einem höheren Strafmaß für Gewalttäter sieht der CDU-Politiker keine alleinige Lösung. Dies könne eine Maßnahme von vielen sein.

Mit seiner Einschätzung steht Schönbohm allerdings allein da. Sowohl die Potsdamer Polizei als auch die jetzt ermittelnde Bundesanwaltschaft geht von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. Auch ein Mitschnitt vom Beginn des Überfalls deutet darauf hin. Das Opfer hatte kurz vor der Attacke seine Frau per Handy angerufen, das danach eingeschaltet blieb, so dass ein Teil des Gesprächs mit den Tätern auf der Mailbox der Frau aufgezeichnet wurde. Dort ist zu hören, wie die Angreifer ihr Opfer als «dreckigen Nigger» bezeichnen. Einer der beiden Täter könnte eine Frau gewesen sein. Der Mailbox-Mitschnitt wurde von der Polizei unter der Internet-Adresse www.internetwache.de veröffentlicht. Auch über Telefon ist der Stimmen-Mitschnitt abrufbar. Die dafür eingerichtete Telefonnummer lautet 0331-28353777.

Jugendring fordert Engagement gegen Gewalt

Brandenburgs Landesjugendring forderte mehr Engagement gegen rechte Gewalt gefordert. Jugendliche sollten sich an friedlichen Demonstrationen gegen Fremdenfeindlichkeit beteiligen, sagte Vorstandsmitglied Tilmann Schröder am Mittwoch in Potsdam. Zugleich forderte er mehr Einsatz von der Politik. Demokratische Jugendinitiativen brauchten langfristige finanzielle Unterstützung. Die Verbände rief Schröder dazu auf, Neonazis keinen Raum zu bieten. (tso)

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