Berlin : Übergriff in der Zelle

Häftling wegen Vergewaltigung eines Mitgefangenen vor Gericht

Kerstin Gehrke

Der angeklagte Häftling beklagte sich vor dem Richter. „Gerade bei unseren Delikten ist es so, dass man im Knast nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird“, sagte der 42-Jährige. Von Gerüchten sprach er, von Gehässigkeiten und falschen Vorwürfen. Frank N. wurde als Kinderschänder zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Als der Häftling der Justizvollzugsanstalt Tegel den größten Teil der Strafe verbüßt hatte, soll er einen ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilten Mitgefangenen mehrfach vergewaltigt haben.

Seit gestern muss sich N. erneut vor dem Berliner Landgericht verantworten. Im Herbst letzten Jahres lernten sich N. und der 31-jährige Enrico L. kennen. N. arbeitete als Hausarbeiter der Sozialtherapeutischen Anstalt. „Wir haben uns unterhalten, unsere Lebensgeschichten ausgetauscht“, sagte der Angeklagte. L. habe ihm von seiner Verurteilung wegen des Missbrauchs eines kleinen Mädchens berichtet. N. will dem „Neuen“ einen väterlichen Rat gegeben haben: „Wenn du hier im Knast deine Ruhe haben willst, dann erzähle besser nichts von deinem Delikt.“ Weil Sexualstraftäter immer wieder die Hölle im Knast erleben würden, weil die anderen Gefangenen diese Taten verabscheuten.

Enrico L. habe für ihn ab und zu die Zelle geputzt und Zigaretten dafür bekommen, sagte der Angeklagte. „Ich streite nicht ab, dass ich ihn dann nach Sex gefragt habe.“ Aber alles sei einvernehmlich geschehen. „Ich habe ihn weder gezwungen noch dazu genötigt.“ Aus seiner Sicht waren es eifersüchtige Mitgefangene, die Gerüchte streuten und ihn auf die Anklagebank brachten. Doch L. hatte sich nach drei Übergriffen in der Zelle von N. Justizangestellten offenbart, die dann Anzeige erstatteten.

Als Zeuge bestätigte Enrico L. die Vorwürfe. Mit massiven Drohungen sei er unter Druck gesetzt worden. „Ich kann den anderen von deinem Delikt erzählen und dafür sorgen, dass sie dich nicht mehr in Ruhe lassen“, soll N. erklärt und als Gegenleistung für ein ruhiges Leben sexuelle Dienste verlangt haben. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben