Berlin : Übergriffe auf zwei Häftlinge: Bewährungsstrafe für Beamten

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Der Justizbeamte stellte die Vorwürfe von zwei Häftlingen als eine Art Verschwörung dar. Von „laufenden Schwierigkeiten“ war die Rede, die zu „Falschbezichtigungen“ geführt hätten. Das Amtsgericht Tiergarten aber kam nach zweitägigem Prozess zu einem anderen Ergebnis: Der 45-jährige Beamte der Jugendstrafanstalt Plötzensee wurde gestern wegen Körperverletzung im Amt zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Es ging um Vorfälle vor mehr als einem Jahr. Der erste Betroffene war ein heute 19-jähriger taubstummer Häftling. Murat D. stand am Fenster und wollte sich mit einem Pendel aus einer Nachbarzelle Zigaretten besorgen. Jens S. bemerkte den Lärm. Er schloss die Zelle auf und soll dem Störenfried sofort einen Schlag auf den Hinterkopf verpasst haben. Einige Wochen später war es ein 15-Jähriger, der nach Überzeugung des Gerichts hart angepackt wurde. Als der Jugendliche nach der Besuchsstunde Stühle umgeworfen hatte, sei er vom Wärter schmerzhaft an die Wand gedrückt worden.

Der Beamte hatte die Vorwürfe bestritten. Zeugen aber belasteten ihn. Ein Häftling will den Vorfall mit D. durchs Fenster beobachtet haben, ein weiterer sprach von einem „klatschenden Geräusch“ aus der Nachbarzelle. Eine Sozialarbeiterin der Strafanstalt berichtete von großer Empörung der Häftlinge, weil ausgerechnet ein taubstummer Mitinsasse misshandelt worden sei. K. G.

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