Berlin : Überraschendes Geständnis - Verfolgung und Tritte zugegeben

Der Prozess um die tödliche Jagd auf den algerischen Asylbewerber Farid Ben Guendoul (28) hat gestern vor dem Landgericht Cottbus möglicherweise eine entscheidende Wendung erfahren. Nach mehreren Befangenheitsanträgen gegen Richter bis hin zur Forderung nach Ausschluss der Nebenkläger sagte überraschend einer der Angeklagten aus. Umfassend schilderte der 18-jährige Rene K. seine Beteiligung an der tödlichen Verfolgungsjagd am 13. Februar. Er räumte die Verfolgung der drei Asylbewerber mit Autos ein und gestand, dabei einen Asylbewerber durch Tritte verletzt zu haben. Farid Ben Guendoul hatte er zum Zeitpunkt von dessen Verletzung aus den Augen verloren.

K. schilderte die Ereignisse von der "telefonischen Alarmierung" durch andere Jugendliche nach der Auseinandersetzung zwischen Ausländern und Deutschen in und vor einer Diskothek bis hin zur Suche nach den vermutlich "Schuldigen". Seine Darstellung vom eher zufälligen Zusammentreffen mit den drei Asylbewerbern an der Tankstelle und deren Verfolgung unter ausländerfeindlichen Rufen deckte sich weitgehend mit den Ermittlungsergebnissen der Polizei und der Anklage. Damit konnte die Staatsanwaltschaft, die auf eine solche Entwicklung gehofft hatte, endlich aufatmen.

Die bisherigen Verhandlungstage der 3. Großen Strafkammer hatten nur wenig Licht in die Vorgänge der Nacht und der Morgenstunden sowie um den Tod des 28-Jährigen gebracht. Seit Eröffnung des Prozesses hatten ein halbes Dutzend Befangenheitsanträge gegen den Vorsitzenden Richter, weitere Richter und Beisitzer sowie die gesamte Kammer die Verhandlung geprägt.

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