Berlin : Überraschung der Bahn: Mit dem ICE nach Hamburg

KLAUS KURPJUWEIT

Superzüge bleiben aber nur, wenn der Transrapid nicht kommt VON KLAUS KURPJUWEIT

Berlin. Überraschung bei der Bahn: Zum Fahrplanwechsel am 31.Mai läßt sie ihr bestes Stück auch zwischen Berlin und Hamburg fahren.Zunächst einmal pro Tag flitzt dann der neueste ICE (Intercity-Expreß) als Nachfolger des legendären "Fliegenden Hamburgers" über die Gleise.Die Bahn zeigt damit, wie der Verkehr auf der Schiene aussehen könnte, wenn der Transrapid nicht kommt.Wenn dieser eines Tages doch schweben sollte, wird die Bahn den ICE und IC-Verkehr dagegen zwischen beiden Städten aufgeben. Der ICE-Einsatz zwischen Berlin und Hamburg ist eine Überraschung.Bisher war er offiziell nicht vorgesehen.Nach Angaben von Bahnsprecher Martin Katz in Frankfurt (Main) führten ausschließlich betriebliche Gründe dazu, den Superzug jetzt auch hier fahren zu lassen.Vom Fahrplanwechsel an setzt die Bahn auch zwischen Köln und Berlin zum ersten Mal regelmäßig ICE-Einheiten der neuesten Generation ein. In Berlin reichen die Anlagen für die Wartung, die derzeit in Grundewald stattfindet, nicht aus, so daß das Hauptwerk in Hamburg einspringen muß.Das neue ICE-Betriebswerk in Rummelsburg wird erst später fertig.Deshalb müssen einige Züge vorübergehend zur Wartung nach Hamburg fahren."Und diese Züge setzen wir lieber zusätzlich im Fahrgastbetrieb ein, als sie leer laufen zu lassen", sagte Katz.Der ICE soll gegen 17 Uhr Berlin verlassen, in Hamburg startet er jeweils gegen 6 Uhr. Ganz so schnell wie der "Fliegende Hamburger" in den 30er Jahren werden die schnellsten Züge der modernen Bahn aber immer noch nicht sein. Nur 20 Minuten weniger als jetzt, nämlich 2 Stunden und 21 Minuten, sollen die Züge auf der etwa 270 Kilometer langen Strecke unterwegs sein.Das alte Vorbild fuhr noch sechs Minuten schneller.Ursprünglich war vorgesehen, bereits von Mai an die Fahrtzeiten des "Fliegenden Hamburgers" erreichen zu können - auch mit den herkömmlichen Intercity-Zügen.Wie aus der Bahn verlautet, wollen die Fahrplan-Macher aber einen Sicherheitszeitpuffer einbauen. Die Bundesregierung hatte unmittelbar nach der Wende beschlossen, die Verkehrswege zwischen Ost und West beschleunigt auszubauen.Zu den 17 Verkehrsprojekten Deutsche Einheit gehört auch die Bahn-Verbindung Berlin-Hamburg.Rund 4,5 Milliarden Mark wird der Wiederaufbau einschließlich der Elektrifizierung kosten.Erst später entschied sich die Bundesregierung für den Bau der Transrapid-Strecke zwischen beiden Städten.Die Ausbaupläne der Bahn wurden daraufhin abgespeckt.Nun reicht es nur noch für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, die bereits der "Fliegende Hamburger" erreicht hatte. Um 200 km/h oder schneller fahren zu können, müßten die Bahnübergänge entlang der Strecke durch Über- oder Unterführungen ersetzt und die Signal- und Oberleitungsanlagen angepaßt werden.Dies würde, wie berichtet, zusätzlich etwa 1 Milliarde Mark kosten.Wenn die Bahn dann hier die nächste ICE-Generation einsetzen würde, die sich in Kurven neigen und damit schneller fahren kann, wären die Züge in 90 Minuten am Ziel.Der Transrapid soll die Strecke in 60 Minuten schaffen - dafür aber mittlerweile etwa 12 Milliarden Mark kosten. Kommt der Transrapid, läßt die Bahn auf ihrer mit Milliarden-Aufwand sanierten Trasse nur noch langsame Regional- und Güterzüge fahren.Der ICE hätte dann nur ein Zwischenspiel gegeben.

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