Berlin : Überraschung für den Präsidenten

Als Wladimir Putin ins Hotel rollte, war die Feuerwehr noch im Einsatz: Die Polizei hatte herumstehende Gasflaschen und einen Öltank zu spät entdeckt

Jörn Hasselmann

Die Gasflaschen hinterm Interconti fielen erst auf, als Präsident Putin schon gelandet war. Um 11.30 Uhr rief die Polizei bei der Feuerwehr an und bat um einen Kranwagen. Denn die Arbeiter auf der Baustelle an der Rückseite des Luxushotels hatten das Dutzend Acetylen- und Sauerstoffbehälter nicht wie versprochen weggeschafft. Neben Gasflaschen sollte Putin mit seiner Frau Ludmila nicht nächtigen, also rückte der 50-Tonnen-Kran der Feuerwehr an und lud die störenden Objekte auf einen Laster. Zudem war ein gefüllter Heizöltank den Experten von der Polizeitechnik unangenehm aufgefallen, der musste auch weg.

Als Putin gestern Nachmittag bei der Einfahrt in die Katakomben des Hotels aus seiner mitgebrachten russischen Staatskarosse nach rechts guckte, sah er die Feuerwehr noch bei der Arbeit. Als er dann den Blick nach links wendete, sah er Passanten, die sich mit Polizisten stritten. Sie fragten sich, warum auf dieser Seite der Corneliusbrücke niemand durchgehen durfte, auf der anderen Seite aber sehr wohl. Ein Kommissar erklärte freundlich, das sei eben so, auch wenn es überhaupt keinen Sinn mache. Klar ist nach den letzten Staatsbesuchen, dass sich die Corneliusbrücke am besten zum Präsidenten-Gucken eignet, denn dort kommt man am dichtesten heran. In der Regel wohnen wichtige Politiker dort.

Am Gendarmenmarkt hatten die Präzisionsschützen der Polizei auf den Dächern der Dome und des Schauspielhauses die beste Sicht auf Wladimir Putin und seine Frau Ludmila. Die sehr wenigen Schaulustigen, die sich am Gendarmenmarkt eingefunden hatten, sahen gar nichts. Denn zur Sicherheitsstufe 1, die das Bundeskriminalamt über die Putins verhängt hat, gehört nun mal die Abschottung – auch wenn sie nicht ansatzweise so restriktiv war wie bei George W.Bushs Besuch im Sommer letzten Jahres. Auch die Kolonne war eine Nummer kleiner als beim US-Präsidenten, dennoch ließ sich die Vielzahl von Autos mit und ohne Blaulicht bei dem großen Tempo kaum zählen. Vorneweg immer ein Motorrad als „Putzer“, der die Kreuzungen freimacht, dahinter ein weißer US-Van, der den Bombenentschärfern des Landeskriminalamtes gehört, und in der Mitte die sieben „Mäuse“ für den Gast. Da Putin nicht zu einem offiziellen Staatsbesuch hier ist, stehen ihm nicht 15 Motorräder als Eskorte zu, sondern nur sieben. Am Schluss der Schlange folgte ein Notarztwagen.

Nach dem Konzert teilte sich die Kolonne, Putin sauste ins Interconti, zu politischen Gesprächen, seine Frau machte sich auf ins Pergamonmuseum und auf den Fernsehturm am Alex. „Das hatte sie sich besonders gewünscht“, hieß es bei der Polizei. Um 17.25 Uhr wurde es dann wieder hochoffiziell: Die Kolonne fuhr aus der unterirdischen Vorfahrt des Interconti in Richtung Dahlem, zum Gespräch mit dem Kanzler.

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