Berlin : „Übersät von Kampfständen“

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„Während die Russen ihre Stellungen an der Oder und Neiße konsolidierten und Menschen und Material für die Offensive bereitstellten, wurden die Vorbereitungen zur Verteidigung der Stadt rasch gefördert. Den Wochen planlosen Hin und Hers folgten solche systematischer Arbeit. Rings um Berlin sind nun Panzergräben ausgehoben, die Zufahrtsstraßen verbarrikadiert, und die Stadt wie ihre weitere Umgebung sind übersät von betonierten Kampfständen, Gräben und Artilleriestellungen. In mühsamer Arbeit haben Bevölkerung, Zwangsarbeiter und Soldaten diese Befestigungen angelegt.“

(Bericht eines Schweizer Besuchers, aus „Der Kampf um Berlin 1945 in Augenzeugenberichten“, Hg. von Peter Gosztony, Karl Rauch Verlag 1970)

Bericht eines Wehrmachtgenerals: „Am 14. April setzte der Feind seinen Angriff mit verstärkter Wucht unter Ausdehnung nach Süden bis nördlich von Lebus fort. (...) Bei Seelow entstand eine solche Krise, daß die Panzergrenadier-Division „Kurmark“ in den Kampf geworfen werden mußte, um die Höhenstufe zu halten. Leider konnte sie am Abend nicht wieder herausgelöst werden.“

(General Busse, nach Tony LeTissier: „Der Kampf um Berlin. Von den Seelower Höhen zur Reichskanzlei“, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 1988)

Tagebuch eines Journalisten: „Erst im letzten Abschnitt des Luftkrieges war es, als verstünden die Berliner schließlich die Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit in allen Versuchen, die Stadt in ihrer alten Gestalt wieder aufzubauen. Sie wurden bescheidener und beschränkten sich auf den Versuch, die Ruinen so bewohnbar wie möglich zu machen. Und bei diesen Arbeiten trug sich etwas Seltsames zu: Vor unseren Augen wuchs die Kleinstadt auf den Überresten der Großstadt heran. Ringsum in den von Bomben zerstörten Gegenden kribbelten und krabbelten die fleißigen Ameisen, die sich mühten und strebten, um kleine Zellen in dem zerstörten Haufen zu ordnen.“

(Aus dem Tagebuch des norwegischen Journalisten Theo Findahl, in „Berlin 1945. Eine Dokumentation“, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Stiftung Topographie des Terrors, die ab 3. Mai in der Zitadelle Spandau gezeigt wird)

Wehrmachtsbericht: „In der Nacht griffen britische Terrorflugzeuge die Reichshauptstadt an. (...) An der Front bis zum Stettiner Haff, an der Danziger Bucht und in Kurland fanden keine besonderen Kampfhandlungen statt. (...) An der Elbe gelang es dem Feind nach heftigen Kämpfen, mit schwächeren Kräften südöstlich Magdeburg auf dem Ostufer des Flusses Fuß zu fassen. Gegenangriffe gegen die übergesetzten Amerikaner sind im Gange. (...) In Mitteldeutschland drangen die Amerikaner durch Angriffe nach Norden und Südosten weiter ein. Aufklärungsverbände fühlten gegen die Saale bei Halle und gegen den Raum beiderseits Zeitz vor. Unsere Kampfgruppen im Harz verwehrten dem insbesondere von Westen und Süden angreifenden Gegner den Eintritt in das Gebirge.“

(Öffentlicher Wehrmachtbericht, Biblio-Verlag 1982)

Dokument der Not: Lebensmittelrationen für die 74. Zuteilungsperiode 9. bis 29. April 1945 pro Kopf und Tag:

Normalversorgungsberechtigte: 243 Gramm Brot, 36 Gramm Fleisch, 18 Gramm Fett, 11 Gramm Nährmittel, 8 Gramm Zucker, 3 Gramm Käse, 6 Gramm Quark, 5 Gramm Kaffee-Ersatz.

Kinder: 143 Gramm Brot, 14 Gramm Fleisch, 18 Gramm Fett, 11 Gramm Nährmittel, 18 Gramm Zucker, 6 Gramm Kunsthonig, 3 Gramm Käse, 6 Gramm Quark, 5 Gramm Kaffee-Ersatz.

(„Berlin 1945. Eine Dokumentation“, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Stiftung Topographie des Terrors)

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