Berlin : Übung für den großen Beitritt

Wie türkische Blätter über den Tag der Deutschen Einheit berichten

Suzan Gülfirat

Alle türkischen Zeitungen erinnerten vergangenen Dienstag daran, dass dies der Tag der Deutschen Einheit ist. „Das wiedervereinte Deutschland ist 16 Jahre alt“, schrieb die Hürriyet, die eine ganze Sonderbeilage zum Thema Deutsche Einheit am 3. Oktober veröffentlichte.

Darin porträtierte das Blatt prominente Deutsch-Türken und Deutsche, die eine besondere Beziehung zur Türkei haben. Die Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen widersprach zum Beispiel dem Gerücht, sie habe ihr Haus in dem Ferienort Bodrum als Bestechung bekommen, damit sie stets gut über die Türkei rede. Zudem hat die Hürriyet Bild-Chef Kai Diekmann interviewt. „Wenn die Türkei die Bedingungen erfüllt, gibt es kein Grund, sie nicht in der EU aufzunehmen.“

Auch alle anderen Geschichten lasen sich sehr nett, etwa die Geschichte der deutschen Mutter einer Hürriyet-Kolumnistin, die in die Türkei übersiedelte. Geschichten über das Verhältnis von Ost- und Westdeutschen fehlten. So wirkte die Beilage eher wie eine Bewerbungsmappe für den Türkei-Beitritt in die EU, oder so, als sei die deutsch-deutsche Wiedervereinigung nur eine Übung für den Beitritt der Türkei zur EU.

Die ganze Woche über berichteten die Blätter über den Türkei-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Willkommen“ schrieb zum Beispiel die Hürriyet vor dem Besuch und zeigte ein Foto, auf dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zu sehen sind. Am Donnerstag titelte die Hürriyet: „Merkel wird mit Erdogan über Integration reden.“ Die Milliyet berichtete, dass auch über den EU-Beitritt, Zypern und die Ereignisse in Nahost gesprochen werde. Die Türkiye widmete dem Thema am Freitag fast die ganze Titelseite. „Auf viel gute Zusammenarbeit“, titelte die Zeitung.

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