Uferbebauung : Mediaspree-Projekt bleibt umstritten

"Mediaspree in Kreuzberg wird gebaut", verkündete Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bei einem Ortstermin am Spreeufer. Der Initiativkreis der Gegner beklagt die mangelnde Dialogbereitschaft der Senatorin - freut sich aber über den Zuspruch aus der Bevölkerung.

Roland Peters
Mediaspree
Das geplante Areal der "Mediaspree" soll größtenteils zwischen Oberbaumbrücke und Schillingbrücke entstehen. -Foto: promo/Mediaspree

BerlinIn dem Konflikt um die Uferbebauung zwischen Schilling- und Elsenbrücke im Rahmen des "Mediaspree"-Projekts sind die Fürsprecher sowie die Gegner guter Dinge, ihre Position durchsetzen zu können. Den Optimismus der Senatorin Junge-Reyer sieht die Tageszeitung "Neues Deutschland" in einer Meinungswandlung der Uferumgestaltungsgegner begründet. Die hätten ihre kämpferische Forderung "Mediaspree versenken" inzwischen in den moderaten Slogan "Kreuzberger Ufer für alle – Freiraum für alle" abgewandelt. Daniel Knopp, Sprecher des Initiativkreises der Gegner, widersprach diesen Angaben gegenüber tagesspiegel.de jedoch vehement. "Unser Name 'Mediaspree versenken' ist und bleibt Programm", so Knopp. Die Forderungen seien exakt die gleichen geblieben. Anfang Dezember habe die Initiative das Gespräch mit Senatorin Junge-Reyer gesucht, sei aber mit der Antwort abgewiesen worden, "es wird keinen Gesprächstermin geben".

Der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), habe sich dagegen wesentlich dialogbereiter gezeigt, so Knopp. Es hätten allerdings keine Verhandlungen über das "Mediaspree"-Programm stattgefunden, sondern lediglich ein persönliches Gespräch, um die Positionen darzulegen. Eine Einsicht in die städtebaulichen Verträge sei der Initiative verwehrt worden. Bezirksbürgermeister Schulz ist der Ansicht, dass kulturelle Einrichtungen am Spreeufer nicht nur Zwischennutzer sein sollten, sondern sich dauerhaft etablieren können. Gelungene Beispiele seien das "Radialsystem" und das Shakespeare-Theater am Friedrichshainer Ufer, wird er in den Medien zitiert.

Initiative will "Brommysteg" statt "Brommybrücke"

Die Initiative gegen das Projekt, die momentan erfolgreich Unterschriften für ein Volksbegehren im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sammelt, vertritt nach eigenen Angaben die Interessen derjenigen, die ein Spreeufer als "Grün- und Kulturfläche mit vielfältigen Nutzungen wollen". Auch dies bekräftigte Knopp noch einmal. Vor allem der Bereich des Osthafens biete die nötigen Voraussetzungen für eine entsprechende Umgestaltung. "Mediaspree Versenken" fordere weiterhin einen Mindestabstand von 50 Metern zum Spreeufer für sämtliche geplanten Neubauten. Außerdem möchte die Initiative eine Einhaltung der Berliner Traufhöhe von 22 Metern und die Abkehr vom geplanten Neubau der im Krieg zerstörten Brommybrücke erreichen. Statt einer Spreequerung, die auch Busse nutzen können, soll nach Vorstellung der Initiative ein "Brommysteg" für Fußgänger und Radfahrer entstehen. Der würde nur 2,5 statt 10 Millionen Euro kosten.

"Mediaspree" vertritt 20 Investoren und Grundstückseigentümer in Spreenähe, die das Spreeufer zwischen der Elsen- und Jannowitzbrücke kommerziell nutzen möchten. Das auffälligste Projekt ist die 17.000 Zuschauern Platz bietende O2-Arena auf dem Gelände zwischen Warschauer Straße und Ostbahnhof. Der Initiativkreis "Mediaspree versenken" hat bereits 7500 Unterschriften gesammelt, bis zum Stichtag am 1. April 2008 sollen es doppelt so viele sein. Sollte der Bürgerentscheid erfolgreich sein, könnte es von Seiten der Investoren zu Schadenersatzforderungen kommen, fürchtet das Bezirksamt und schätzt diese auf etwa 165 Millionen Euro.

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