Uferweg an der Spree : Berlin bekommt eine Hipster-Promenade

Einst feierten die Hipster in Berlin hier legendäre Partys, jetzt plant der Bezirk Mitte einen Wanderweg am Spreeufer. Im Notfall sind dafür sogar Enteignungen möglich.

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Am Ufer wuchert’s. Hier soll die neue Promenade an der Spree gebaut werden. Das Foto entstand auf der Michaelbrücke mit Blick gen Süden.
Am Ufer wuchert’s. Hier soll die neue Promenade an der Spree gebaut werden. Das Foto entstand auf der Michaelbrücke mit Blick gen...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Dass ausgerechnet in Mitte die Ufer der Spree zugebaut sind mit einer wilden Mischung aus Industrieruinen, Discountern und einer Spedition, die den Berlinern den Weg zum Wasser versperren, hat nun auch den Bezirk zum Handeln veranlasst: Er hat zwei Bebauungspläne aufgestellt, um das Ufer zwischen Berlins Wahrzeichen, der Jannowitzbrücke, und der Schillingbrücke in Höhe Engelbecken zugänglich für alle zu machen.

Im äußersten Notfall sind zur Herstellung des Uferwegs sogar Enteignungen möglich.

Berlins Hipster haben auf diesen Spreegrundstücken einige Gründungsmythen der Clubszene erlebt: Strandpartys im Kater Holzig oder Kiki Blofeld sind Legende. Doch die Szene zog weiter, oft verdrängt von anderen Plänen der Grundstückseigentümer – einige, wie die Betreiber des Kater Holzig, einfach nur ans andere Ufer, wo die zur Genossenschaft ausgewachsene Clique nun selbst baut.

Denn der Bezirk Mitte kann sich bei seinen Planungen auf das strenge „Sanierungsrecht“ stützen. Dass es zum Äußersten kommt, ist aber kaum wahrscheinlich. Die meisten Grundstücke werden gewerblich genutzt oder müssen noch entwickelt werden. Und weil die Eigentümer dabei auf das Wohlwollen des Bezirks angewiesen sind, steht wohl die Einschätzung vom Chef der Zapf-Spedition Peter Zetzsche stellvertretend für die allermeisten: „Das ist ein Geben und Nehmen, denn der neue Uferweg wertet die Grundstücke auf.“

300 Wohnungen sollen entstehen

Zapfs Grundstück liegt zwar in Friedrichshain-Kreuzberg, doch in Mitte soll der Uferweg nicht enden, dessen Planung dort beginnt: auf einer drei Kilometer langen Spreeuferpromenade zwischen der Jannowitzbrücke und der Lohmühleninsel vor dem Arena-Badeschiff soll das Flanieren einmal möglich werden. Bis zur Jahresmitte wollten die Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg das Vorhaben am südwestlichen Spreeufer eigentlich schon teilweise verwirklicht haben.

Bei Zapf stehen noch die Umzugswagen und das Kartonlager der Spedition auf dem Grundstück an der Köpenicker Straße, das bis zum Ufer reicht. Mittelfristig will man dort aber wegziehen und die Fläche bebauen. Etwa 300 Wohnungen sollen neu entstehen und auch Gewerbeflächen. Die Planungen laufen in Abstimmung mit dem Bezirk.

Auf dem Grundstück des Heizkraftwerks Mitte steht bereits die Kaimauer für die „spreebegleitende Durchwegung“, seit der Sanierung der Anlage Mitte der 1990er Jahre. Und der Einzelhandelskonzern Tengelmann, der dort einen – inzwischen ausgebrannten – Netto-Discounter führte, soll ebenfalls Baupläne haben und sich nicht gegen einen öffentlichen Uferweg sperren.

Die Pläne, die ab Montag den Berlinern zur Diskussion gestellt werden, sehen Fußgängerwege mit einer Breite von 16 bis 17 Metern vor, die „als öffentliche Fläche“ erworben und hergerichtet werden sollen. Vorgesehen ist zurzeit ein „schmaler Weg entlang der Kaimauer“, an den eine Böschung anschließt „mit mehreren Treppenzugängen zu einem höher gelegenen parallelen Weg“.

Für die anschließenden neu entstehenden Wohnhäuser schreiben die Planungen „Vorgärten“ vor, die als private Grünanlagen ausgewiesen werden. Im Bereich der Köpenicker Straße soll außerdem eine neue Erschließungsstraße angelegt werden, die von der Verkehrsachse zum Ufer führt.

Begründet wird die Planung im Übrigen damit, dass dieser Bereich der „nördlichen Luisenstadt“ im 19. Jahrhundert schon einmal eine begehrte Wohnlage war: Hier gab es Stadtvillen von Fabrikanten mit anschließenden vier- und fünfgeschossigen Blöcken. Allerdings wurde schon damals der Grundstein für die spätere Industrialisierung gelegt:

Im hinteren Bereich der Quartiere entstanden Fabriken, die zur Spree orientiert waren. Diese war seinerzeit als Transportweg unentbehrlich: zum Heranschiffen von Brennstoffen und Materialien und zum Abtransport der Waren.

Mit der Auslegung der Pläne und der Beteiligung der Bürger nimmt die Umgestaltung des Uferwegs an der nördlichen Grenze von Mitte allmählich Gestalt an. Die Pläne sind im Bezirksamt Mitte, an der Müllerstraße 146, einzusehen bis zum 23. Juli – oder im Netz auf der Website des Bezirksamtes, Bereich Stadtplanung.

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