Berlin : Ullrich Meier ist einer von nur zwei Ärzten unter den 169 Parlamentariern

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Die chronische Misere in Berlins Gesundheitspolitik dürfte auch mit mangelnder Kompetenz der Parlamentarier zusammenhängen: So gibt es unter den 169 Abgeordneten lediglich zwei Ärzte, und nur einer von ihnen ist praktisch tätig. Der Mann heißt Ullrich Meier, ist 44 Jahre alt und Chefarzt für Neurochirurgie im Unfallkrankenhaus Marzahn. Obwohl schon zehn Jahre für die CDU tätig und seit Jahren gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion, versteht sich der in Sachsen-Anhalt geborene verheiratete Vater zweier Kinder nicht als Berufspolitiker. Der Einsatz für Patienten, die wissenschaftliche Laufbahn und Lehrtätigkeit gingen vor. Ein Tag in der Woche sei zwar für Politik reserviert, doch wenn es ihm zuviel wird, "werden in der Klinik keine Anrufe mehr durchgestellt".

Meier trat kurz vor dem Mauerfall in die frühere Ost-CDU ein. Wenn das DDR-System nicht zusammengebrochen wäre, "hätte ich mich um Ausreise in den Westen bemüht". Der Spezialist für Schädel-Hirn-Verletzungen und so genannte "Wasserkopf"-Operationen war Oberarzt im Krankenhaus Friedrichshain, als in der 1997 eröffneten Unfallklinik ein Neurochirurgie-Chef gesucht wurde. "Der fachlich und menschlich überzeugende Meier hat die Stelle bekommen, obwohl er nebenbei Politik macht", betont ein damaliger Arbeitgebervertreter. Wenn Neider oder etwa der Grünen-Abgeordnete Bernd Köppl dies anders sähen, seien dies "Schläge unter die Gürtellinie", gegen die er sich wehre: "Als Politiker lasse ich mich beschimpfen", sagt Meier, bei der ärztlichen Berufsehre höre aber der Spaß auf. Zu seiner wissenschaftlichen Qualifikation verweist er zum Beispiel auf 58 Fachpublikationen, 156 Fachvorträge und zwei Buchveröffentlichungen. Köppl ist übrigens der zweite Arzt im Abgeordnetenhaus. Der agile Oppositionsmann hat als Geschäftsführer der Gesundheitlich-Sozialen Zentren, der reformierten ehemaligen Polikliniken im Ostteil der Stadt, allerdings keinen direkten Kontakt zu Patienten.

Dauerhaftes Politikerdasein kann sich Meier nicht vorstellen, "manche Kollegen fragen schon länger, warum ich mir das antue". Des Geldes wegen tue er es am wenigsten, "ein ärztliches Gutachten" nebenbei in der Woche würde mehr bringen.

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