• Ulrich Nußbaum nach Rücktritt: Der frühere Finanzsenator ist zurück im Fischgeschäft

Ulrich Nußbaum nach Rücktritt : Der frühere Finanzsenator ist zurück im Fischgeschäft

Ex-Finanzsenator Nußbaum führt wieder die Geschäfte seines Fischgroßhandels in Bremerhaven. Während seiner Amtszeit hatte sich seine Ehefrau um den Großhandel mit dem Tiefkühlfisch gekümmert.

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Geschäftstüchtig. Berlins Ex-Senator Ulrich Nußbaum und seine Frau Birgitt, die zwischenzeitlich das Bremer Fischhandelsunternehmen leitete.
Geschäftstüchtig. Berlins Ex-Senator Ulrich Nußbaum und seine Frau Birgitt, die zwischenzeitlich das Bremer...Foto: Davids/Darmer

Zwei Monate nach dem Rücktritt als Finanzsenator hat Ulrich Nußbaum wieder die Geschäftsführung seines Fischgroßhandels in Bremerhaven übernommen. Am 5. Februar wurde dies im Handelsregister eingetragen. Zuvor baute er das Unternehmen, die Sea Life Harvesting (SLH) mit diversen Tochterfirmen, noch kräftig um. Schon am 25. August 2014, einen Tag vor der Rücktrittsankündigung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), wurde das Stammkapital im Zuge einer Firmenverschmelzung und Namensänderung von 25 000 Euro auf 250 000 Euro erhöht.

Davor hatte seine Ehefrau die Geschäfte geführt

Im Handelsregister waren diese Transaktionen erst am 27. Oktober 2014 zu lesen – eine Woche nachdem Nußbaum den eigenen Rücktritt bekannt gegeben hatte. Jetzt führt der parteilose Unternehmer also wieder die Geschäfte, bei denen es um den Im- und Export von Tiefkühlfisch, diverse Beteiligungen in der Fischereibranche und Dienstleistungen geht. Während der Amtszeit als Finanzsenator in Berlin hatte Ehefrau Birgitt Nußbaum die Firma in Bremerhaven geleitet. Wie es jetzt aussieht, gab sie Anfang Februar das Kommando fast komplett ab.

Er kann sich zum alleinigen Geschäftsführer bestellen

Denn laut Gesellschaftsvertrag vom 10. Oktober 2014 verfügt der Ex-Senator nun über „ein Stimmrecht in Höhe von 75 Prozent der Gesellschaftsanteile“ , unabhängig von der Höhe seiner realen Beteiligung. Nußbaum hat sogar das Recht, sich zum alleinigen Geschäftsführer zu bestellen und kann mit seinen 75 Prozent Stimmenanteilen jederzeit die Gesellschafterversammlung einberufen, die Satzung ändern, sich an Konkurrenzunternehmen beteiligen und die Firma sogar liquidieren. Als Finanzsenator hatte Nußbaum noch Wert darauf gelegt, Frauen in Führungspositionen öffentlicher Betriebe zu holen und zu fördern.

Seit 25 Jahren hat er sein kleines Imperium mehrfach umgebaut

Hinter der Sea Life Harvesting GmbH, die Nußbaum führt, stecken mehrere Tochterfirmen und Beteiligungen: eine gewinnträchtige, recht unübersichtlich zusammengestrickte Unternehmensgruppe, mit Jahresumsätzen in dreistelliger Millionenhöhe, die international agiert. Seitdem Nußbaum vor über 25 Jahren in den Großhandel mit tiefgefrorenem Seefisch einstieg, hat er sein kleines Imperium mehrfach umgebaut. Größere Umstrukturierungen gab es beispielsweise, als Nußbaum nach der Bremer Bürgerschaftswahl im Mai 2007 überraschend darauf verzichtete, dort vom Finanz- ins Wirtschaftsressort zu wechseln. Jetzt hat er offenbar wieder Zeit und Kraft, sich seinem Unternehmen in Bremerhaven kreativ zu widmen.

Dazu passt, dass Nußbaum bei der exklusiven Schaffermahlzeit am 13. Februar im Bremer Rathaus nach längerer Pause wieder dabei war. Im schwarzen Frack, wie es sich gehört. Doch auf die Frage eines Reporters im Regionalfernsehen, ob er wieder Senator werden wolle, sagte er: „Nöö!“ In Bremen war Nußbaum von 2003 bis 2007 Finanzsenator. Zwei Jahre später holte ihn Wowereit an die Spree, ins rot-rote Kabinett.

Nach Nußbaums Rücktritt in Berlin gab es viele Gerüchte, was aus dem Ex-Finanzsenator werden könnte: Präsident der Industrie- und Handelskammer, Flughafen-Aufsichtsratschef oder Privatunternehmer in Berlin. Im März soll er neuer Präsident des Deutschen Verkehrsforums (DVF) werden, das ist ein einflussreicher Lobbyverband der privaten und öffentlichen Verkehrswirtschaft. Und: Nußbaum hat es zum Kolumnisten in einer Berliner Boulevardzeitung gebracht, die er dafür nutzt, die Politik des rot-schwarzen Senats, dem er bis Dezember 2014 angehörte, zu kritisieren. Das Motto: „Butter bei die Fische“.

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