Berlin : Um die Friedens-Cola gibt es Streit

Berlinerin ist aus dem Geschäft mit der „Mecca-Cola“ ausgestiegen

Tanja Buntrock

Sie ist klebrig-braun, mit Kohlensäure versetzt, auf der Flasche schmückt sie ein rotes Schild mit weißem Schriftzug: Coca-Cola? Denkste! Ihr Slogan auf dem Etikett: „Ne buvez plus idiot, buvez engagé“, was sinngemäß heißt: „Sei engagiert, trink bewusst“. Sie soll eine Alternative zur amerikanischen Coca-Cola sein, eine Protest-Limo sozusagen: für all diejenigen, die mit der US-Außenpolitik nicht einverstanden sind.

Allerdings scheint derzeit ein Vertriebs-Kampf um die Friedens-Cola zu toben, kurz nachdem sie nach Deutschland geschwappt ist. Bis gestern präsentierte sich noch die Berliner Händlerin Dagmar Lohmann von der Firma „Lohmann Spirituosen“ als Anti-US-Brause-Importeurin in den Zeitungen.

Die Getränkehändlerin kündigte an, die Cola spätestens Anfang Februar zunächst in Berlin, später auch deutschlandweit auf den Markt zu bringen. Gestern Nachmittag machte Dagmar Lohmann dann plötzlich einen Rückzieher. „Aus privaten Gründen sind wir aus dem Geschäft ausgestiegen. Es hat sich ganz kurzfristig ergeben“, mehr wollte Dagmar Lohmann dazu nicht sagen.

Dabei steht die Mecca-Cola bereits seit November in deutschen Läden: Vor allem in Hamburg, aber auch in einigen kleineren Geschäften in Süddeutschland und im Rheinland. Mahmoud Hinnaui von der Firma „IPM-Marketing“ aus Hamburg sagt, dass er einen Vertrag auf Probe mit dem französischen Hersteller habe. Von einer Berliner Importeurin wisse er nichts. „Ende nächster Woche beliefern wir auch 15 Läden in Berlin“, sagt Hinnaui. Nicht nur türkische oder arabische Händler, sondern auch deutsche Ladeninhaber seien dabei.

Der Vertrag für den Deutschland-Vertrieb gelte zunächst für drei Monate. „Danach werden wir neu verhandeln.“ Mahmoud Hinnaui habe sich persönlich in Paris mit dem Erfinder der Mecca-Cola, Tawfik Mathlouthi, getroffen, um den Vertrieb in Deutschland aufzubauen. „Seitdem sind wir im Geschäft“, sagt Hinnaui.

Mit der Mecca- Cola hatte der franco-tunesische Radiojournalist Mathlouthi ein Zeichen gegen die Nahost-Politik der Amerikaner setzen wollen. Jeweils zehn Prozent des Gewinns sollen in Stiftungen in Palästina und Europa fließen.

Mathlouthi soll nach eigenen Angaben bereits drei Millionen-Liter der Protest-Limo weltweit verkauft haben. Auch in Großbritannien, Holland, Belgien, Spanien, Italien und Marokko werde die Brause bereits vertrieben.

Zwischen 1,20 und 1,40 Euro kostet die 1,5 Liter-Flasche Mecca-Cola in Deutschland, sagt Mahmoud Hinnaui. In Frankreich ist sie in Wegwerf-Flaschen abgefüllt, „was hier ja nicht mehr möglich ist“, sagt er. In Deutschland fließ die Mecca-Cola folglich aus Pfandflaschen. Noch kleben die französische Etiketten auf den Colaflaschen, „das wird sich aber in Kürze ändern“, versichert Hannui. Auch komme demnächst die 0,5-Liter-Flasche auf den Markt. Bisher gibt es nur die Sorte „Classic“.

Hannui verspricht aber bereits jetzt, dass die Brause bald auch in anderen Geschmacksvariationen wie etwa „Orange“ erhältlich sein wird. Oder als „Light“-Produkt – so lässt sich dann sogar kalorienbewusst für Arabien trinken.

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