Berlin : Um die Wette zocken und Gold schürfen

Am Alex finden die Meisterschaften der Computerspieler statt

Kai Kolwitz

Irgendetwas ist anders vor dem Cubix- Kino am Alexanderplatz. Die Zusammenrottung junger, vornehmlich männlicher Menschen wäre am Freitagabend noch nicht verwunderlich. Aber aus auffallend vielen Rucksäcken ragen Computer-Tastaturen. Außerdem werden am Eingang Pässe vorgezeigt, und viele Menschen in roten T-Shirts tragen hektisch Kabelstecker von hier nach dort und sagen Sätze wie: „Wir brauchen feste IPs für das Netzwerk im Kinosaal, sonst geht hier nichts.“ Ein bisschen hat man den Eindruck, in einem parallelen Universum gelandet zu sein.

Im Cubix-Kino beginnen an diesem Wochenende die NGL-Finals, laienhaft ausgedrückt: die Deutschen Meisterschaften der Computerspieler. Auf dem Programm stehen die Disziplinen Warcraft 3, Raven Shield und Fifa Soccer. Dabei geht es um nicht wenig: Insgesamt 65000 Euro an Preisgeldern konnte der Veranstalter, die Netzstatt Gaming League Europe, bei Sponsoren einwerben. Dazu kommen Sachpreise im Wert von noch einmal 15000 Euro. „Mindestens mit einer Grafikkarte geht hier jeder nach Hause“, sagt Michael Haenisch dazu, der den Wettbewerb für die Spieleseite gamesports.de im Internet verfolgt.

Die 176 Teilnehmer des Finalspiels wurden auf mehr als 50 Turnieren ausgespielt. Rund 500 Zuschauer sind gekommen. Drei große Rechnerparks sind in der zweiten und dritten Etage aufgebaut. In Kino 7 werden die Top-Spiele des ersten Tages per Beamer vor gut gefüllten Zuschauerreihen übertragen und kommentiert, was für den unbedarften Beobachter irgendwie so klingt wie die Monstertruck-Übertragungen ganz spät im Deutschen Sportfernsehen: „Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um Items nachzukaufen – aber da, ein Angriff auf die zweite Expansion. Oh ja, Thomas’ Expansion wird down gehen.“ Die Stimme des Kommentators überschlägt sich fast, während auf einer Fantasy-Landkarte die Figuren durcheinander wuseln.

Warcraft 3, das Spiel auf der Leinwand, ist ein Strategiespiel. Die Spieler sind die Feldherren und greifen sich gegenseitig an. Ihre Soldaten wollen bezahlt werden. Deshalb müssen die Spieler zwischendurch auch immer wieder Gold schürfen und Städte bauen, um die Versorgung der Truppen sicherzustellen. Gewonnen hat derjenige, dem es gelingt, alle Gebäude des Gegners zu zerstören.

„Wie Schach, aber spielerischer“, beschreibt Hendrik Schenkel alias „mouz/dArk“ seine Disziplin. Der 19-Jährige, der gerade sein Abitur macht, ist definitiv nicht wegen der kostenlosen Grafikkarte hier. Zusammen mit Kompagnon Jan gehört er im Bereich Warcraft 3 zu den Top-Spielern in Europa. Gewinnen die beiden in Berlin, so haben sie 5000 Euro verdient. „Viel Geld für einen Schüler“, meint er selbst und erzählt lächelnd von seinen Mitschülern, die zwar wissen, dass er zockt, aber sich immer noch darüber wundern, dass sich mit so etwas Geld verdienen lässt. In den USA gibt es schon Turniere, bei denen die besten Teams mit 100 000 Dollar Preisgeld nach Hause fahren.

Die Meisterschaften gehen nächstes Wochenende weiter, von 10 bis 17 Uhr im Cubix- Kino am Alexanderplatz. Weitere Informationen unter www.ngl-europe.com

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