Berlin : Um Himmels willen Berlin soll leuchten

Kriegsgegner demonstrieren heute mit einer Lichterkette – Polizei warnt vor Staus und gibt Tipps

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über die neue Einkaufsfreiheit und ihre Tücken

Oh, war das eine gewaltige Operation! Der Durchbruch zum neuen Kaufrausch, das Symbol der neuen Shoppingfreiheit. Parteien und Politiker sprangen über sämtliche Schatten, und es half auch nichts mehr, dass die Gewerkschaft ganze Belegschaften nach Berlin verschickte, um das Schlimmste zu verhindern. Sonnabends bis acht das ist jetzt Gesetz. Freilich nur im Sinne von Dürfen, nicht Müssen. Wenn der sonst so unverwüstlich eloquente Chef des Einzelhandelsverbandes seine Leute anfleht, sie sollten „um Himmels willen kooperieren“, wenn das Flaggschiff KaDeWe vorsichtig hinterherschippert, dann ist was schief gelaufen.

Das nächste Gesetz wird nun wohl vorschreiben, dass alle Geschäfte bis 20 Uhr geöffnet bleiben müssen. Und das übernächste führt die allgemeine Shopping-Pflicht ein. Irgendwie muss die Wirtschaft doch in Gang zu kriegen sein!

Es soll eine Lichterkette durch die ganze Stadt werden am heutigen Sonnabend – als Zeichen gegen den drohenden Irak-Krieg. Sie führt entlang der West-Ost-Achse von Spandau bis nach Alt-Mahlsdorf.

Schon gestern riefen die Gewerkschaften die Betriebe auf, zwischen 11.50 und 12 Uhr die Arbeit niederzulegen und „Aktionen für den Frieden zu starten“. So versammelten sich im Spandauer Osram-Werk circa fünfzig Mitarbeiter. Auf dem Transparent „Krieg? Kein Blut an unseren Händen“ hinterließen sie rote Farbabdrücke ihrer Hände. Viele der Mitarbeiter wollen sich auch an der heutigen Lichterkette beteiligen. Um19 Uhr geht’s los.

Damit keine Lücken entstehen, bitten die Organisatoren alle Teilnehmer, sich mit Kerzen oder Taschenlampen jeweils nach Bezirken auf die verschiedenen Treffpunkte zu verteilen (siehe Grafik). So versammeln sich beispielsweise die Neuköllner in Charlottenburg oder die Tempelhofer an der Friedrichstraße. Um 20 Uhr soll die Kette dann geschlossen werden und eine Viertelstunde lang stehen. Deshalb kommt es zu Verkehrssperrungen zwischen 19 Uhr und 20.30 Uhr. Der Sprecher des Zentralen Verkehrsdienstes Hans-Henry Tänzer warnt: „Eine Überquerung der Kreuzungen auf der Strecke wird kaum möglich sein.“ Autofahrer sollten entweder vor 19 Uhr oder nach 20.30 Uhr diese Achse überqueren. Allerdings komme es bei den Sperrungen ganz darauf an, wie viele Menschen sich an der Aktion beteiligten. „Wenn nur wenige mitmachen, kann es sein, dass einzelne Kreuzungen frei sind“, sagt Tänzer. „Das entscheiden wir an Ort und Stelle. Sobald der Verkehr für die Menschen auf der Straße zur Gefahr wird, sperren wir ab.“ Die Stadtautobahn ist von den Sperrungen nicht betroffen. Wer in Mitte einen Schlupfwinkel sucht, könne durch den Tunnel Grunerstraße fahren, rät Tänzer.

Auch die Busse und Straßenbahnen werden ab 20 Uhr, wenn die Kette geschlossen ist, an den Kreuzungen stehen bleiben. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen möchte, sollte die U- oder S-Bahn wählen. Der Verkehrswarndienst gibt aktuelle Meldungen heraus. Die Polizei empfiehlt den Verkehrsteilnehmern, Radio zu hören. tabu

Mehr zur Lichterkette unter

www.friko-berlin.de

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