Berlin : Umbau der Deutschlandhalle: Rein in die Halle, raus aus der Halle

Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Zusage des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen an die CDU-Fraktion, die Deutschlandhalle werde ab 2001 für die Berlin Capitals befristet als Ausweichquartier zur Verfügung stehen, entpuppte sich gestern als Luftblase. Denn nirgendwo ist Geld, um ein solches Provisorium zu finanzieren. "Ein unseriöser Vorschlag Diepgens", kritisierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Wowereit. Wie sich nachträglich herausstellte, wurde in der CDU-Fraktionssitzung am Dienstag über Geld auch nicht gesprochen.

Von einer "Mischfinanzierung" ist nunmehr die Rede. Der sportpolitische Sprecher der CDU, Axel Rabbach, schlug gestern vor: "Einen Teil der Ersatzhalle soll die Messe bezahlen, den Rest könnten wir aus dem Sportanlagensanierungsprogramm nehmen." Die 100 Millionen Mark, die dafür zur Verfügung stehen, dienen eigentlich der Sanierung maroder Schul- und Sportanlagen in Berlin. Dieser Vorschlag könnte einen neuen Koalitionsstreit entfachen. Finanzsenator Peter Kurth (CDU) verstand das Diepgen-Wort in der Fraktion eher als "politische Absichtserklärung" und wies erneut auf die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und SPD hin. Darin heißt es: Der Abriss der Eissporthalle an der Jafféstraße sei im Interesse der Messegesellschaft notwendig. In diesem Zusammenhang müsse der Ersatz für den Eissport und die künftige Nutzung der Deutschlandhalle geklärt werden. "Für diese Maßnahmen werden keine Haushaltsmittel aufgewendet." Die fachlich zuständige Sportverwaltung hat dem wenig hinzuzufügen. "Die finanzielle Seite des Deutschlandhallen-Umbaus ist nicht gesichert und wird geprüft", sagte Pressesprecher Moritz Felgner.

SPD-Fraktionschef Wowereit und der haushaltspolitische Sprecher der CDU, Alexander Kaczmarek, haben allerdings eine feste Vorstellung davon, wer die provisorische Unterbringung der Capitals finanzieren muss - allein die Messegesellschaft. Wowereit macht Mut: "Die Kosten werden vertretbar sein." Aber die Messe denkt nicht daran, neben dem Abriss der Eissporthalle und dem Neubau eines Südeingangs auch noch die zeitweilige Sanierung der Deutschlandhalle zu bezahlen. "Wir investieren nicht in die Erhaltung eines Gebäudes, das mehr Kosten als Nutzen verursacht", sagte der Sprecher der Messegesellschaft, Michael Hofer, gestern dem Tagesspiegel. Den Abriss der Deutschlandhalle würde man übernehmen, aber nicht die befristete Herrichtung. Dabei schwingt die Befürchtung mit, dass sich Provisorien oft als dauerhaft erweisen.

Die Messe wäre immerhin bereit, sich an anderen Lösungen finanziell zu beteiligen; zum Beispiel am Bau einer Schnellbauhalle im Bereich des Olympiastadions. "Für die Probleme der Capitals haben wir Verständnis, aber es muss eine Alternative zur Deutschlandhalle geben", sagte Hofer. Es sei an der Zeit, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzten und zu einer Entscheidung kämen. Kaczmarek nahm diesen Ball dankbar auf. Nein, es müsse nicht die Deutschlandhalle sein, "aber ein vollwertiges Provisorium." Da will er Diepgen nicht zu wörtlich verstanden wissen. "Wenn die Messe eine Schnellbauhalle finanziert, sind wir nicht päpstlicher als der Papst." Das Land Berlin gebe auch das Grundstück dazu. So denkt auch Parteifreund Rabbach.Etwa zehn Millionen Mark würde eine solche Halle kosten.

Der SPD-Mann Wowereit ist strenger. Über den endgültigen Abriss der Deutschlandhalle und eine Übergangslösung für den Eishockeyverein könne erst entschieden werden, "wenn verbindlich feststeht, dass die geplante, privat finanzierte Mehrzweckhalle in Siemensstadt tatsächlich zustande kommt." Eine Machbarkeitsstudie ist in Arbeit, doch in diesem Jahr wird wohl nicht mehr entschieden, ob sich eine solche Großsportarena ohne öffentliche Hilfe rechnet. Auch Wowereit ist flexibel, was das Provisorium für die Capitals betrifft: Deutschlandhalle, Glockenturmstraße, Traglufthalle am Olympiastadion kämen in Frage. Bis zur abschließenden Senatsentscheidung, sagte der SPD-Fraktionschef, "haben wir doch eine funktionierende Eissporthalle."

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