Berlin : Umbenennung von Pankow: Die Nacht der langen Namen

Brigitte Böttcher

Es ist fünf vor zwölf. Eine Entscheidung muss her - alle wollen nach Hause. Endlich fällt sie. Pankow gibt es nun nicht mehr. Nicht als Bezirksnamen zumindest. Bei der letzten Abstimmung des Abends stehen die meisten Bezirksverordneten schon im Mantel da. Die Bierflaschen in den Besucherreihen sind leer getrunken.

Über sechs Stunden hat die Bezirksverordnetenversammlung, die bis eben noch BVV Pankow von Berlin hieß, über den künftigen Namen ihres aus Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow fusionierten Großbezirks diskutiert. Über das Thema also, das die BVV und vor allem die betroffenen Bürger in den letzten Wochen beschäftigt hat wie kein anderes. Das Ergebnis erscheint so grotesk wie die Beratung selbst - denn die glich einer Satire auf das deutsche Vereinsrecht im Allgemeinen und dessen Auswirkungen auf die Kommunalpolitik im Besonderen. Herausgekommen ist in den letzten Minuten des 28. März 2001 der Bandwurmname "3. Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow von Berlin". Für diese Variante, die aus dem umstrittenen Antrag der PDS stammt, stimmten 42 der 81 Bezirksverordneten; dagegen waren nur noch 33.

Vor allem die CDU, deren favorisierter Name von Anfang an Pankow gewesen war, sorgte im Laufe des Abends immer wieder für Verzögerungen - mit Änderungsanträgen, Beratungspausen und dem Bestehen auf namentlicher Abstimmung. So kam es, dass die interessierten und engagierten Bürger, die - wie schon vor zwei Wochen - wieder zahlreich in den Saal an der Fröbelstraße mit den hohen Bogenfenstern und der rosa Decke gekommen waren, einen Großteil des Abends im Vorraum verbrachten: essend, trinkend, rauchend, diskutierend.

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Insbesondere viele Bewohner von Prenzlauer Berg wollen nicht in einem Bezirk namens Pankow leben und hatten seit dem entsprechendem Beschluss vom 6. Dezember 2000 fast 10 000 Protest-Unterschriften gesammelt. Mit Erfolg, meint der 20-jährige Philipp Guhr, der fleißig mitgesammelt hat, schließlich hebt der nun umgesetzte Antrag der PDS den Beschluss vom Dezember wieder auf. Glücklich damit ist Guhr aber nicht. Auch Volker Bäumer, EDV-Fachmann aus Prenzlauer Berg, hätte sich einen konsequenteren Schritt gewünscht, erzählt er im Vorraum: "Dritter Bezirk - das wäre doch mal ein moderner Name. So würden wir mit gutem Beispiel vorangehen", sagt er.

Für die künftige Nummerierung aller Bezirke will sich nun auch die BVV 3. Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow von Berlin einsetzen - auch das ist Teil des Beschlusses. Wenn sich in dieser Richtung bis zum 31. Dezember 2001 nichts getan hat, soll erneut über die Bezeichnung des Großbezirks verhandelt werden. Der lange Name ist also nur eine Übergangslösung, wahrscheinlich. Auf eine neue Beschilderung des Bezirksamtes wird deshalb auch verzichtet. Und für die Bürger ändert sich vorerst ohnehin nur dann etwas, wenn sie in diesem Jahr einen neuen Personalausweis beantragen oder Post vom Amt bekommen: Der bezirksamtliche Briefbogen ist das Erste, was die BVV erneuern wird - wenn der Prüfungsausschuss den Beschluss innerhalb der nächsten zwei Wochen nicht doch noch für unwirksam erklärt.

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