Berlin : Umbuchungen und Stornierung in Berliner Reisebüros

Aber nicht alle Ägypten-Touristen sagen ab / Ein Veranstalter stoppt vorerst alles BERLIN.Nach dem Blutbad von Luxor haben in Berlin und andernorts zahlreiche Touristen ihre geplanten Reisen nach Ägypten storniert.Allerdings sehen Unternehmen wie der Berliner Flug Ring (BFR) bisher "keine Welle" von Absagen.Der Studienreiseveranstalter Studiosus strich aber von sich aus bis zum Jahresende alle Ägyptenreisen wegen unkalkulierbarer Risiken.Die anderen Touristikunternehmen bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen und Stornierungen an. Seit Bekanntwerden des Anschlags weise man die Kunden auf Rücktritts- und Umbuchungsmöglichkeiten hin, hieß es vom Berliner Flug Ring.Es gebe eine Reihe von Stornierungen, eine genaue Zahl liege aber nicht vor.Laut Geschäftsführer Wolfgang Nordwig boten Reiseleiter den rund 80 BFR-Kunden im Badeort Hurghada am Roten Meer die vorzeitige Rückkehr an, doch habe dies niemand genutzt.Die Werbung mit Sonderangeboten für Ägypten wurde gestoppt. Beim Berliner Reiseveranstalter Unger meldeten sich laut Sprecher Rainer Westermann nur wenige besorgte Anrufer."Wir verhalten uns wie die anderen und bieten Umbuchungen an, zum Beispiel auf die Kanaren." Auch Unger betreut Touristen in Hurghada, von denen bisher keiner die frühere Heimreise verlangte.Die Wintersaison sei mit rund 1200 Reisen "gut gebucht", sagt Westermann; das Ausmaß möglicher Stornierungen sei unklar. Der TUI-Konzern unternimmt keine Ausflüge nach Luxor mehr.Reisende, die sich noch dort aufhalten, sollen Erklärungen unterschreiben, daß sie "auf eigenen Wunsch bleiben".Dies sei "keine juristische, sondern eine moralische Sache", betonte Sprecher Bernd Rimele und versicherte, die Reiseleiter stünden in Luxor weiter zur Verfügung.Angebote, den Urlaub ans Rote Meer zu verlegen oder heimzukehren, seien "sehr verhalten" aufgenommen worden.Von den rund 2000 Neckermann-Urlaubern in Ägypten "wollte noch keiner zurück", teilte das Unternehmen mit.Die Stornierungszahl sei noch unklar.Luxor werde vorerst aus dem Programm gestrichen.Zuletzt verzeichnete Neckermann einen Ägypten-Boom: Seit November 1996 gab es 70 000 Buchungen, doppelt so viele wie im Jahr zuvor. In dem auf Ägypten spezialisierten Charlottenburger Reisebüro "Liberty Tours" buchten zwei Kunden um und reisen auf die Kanaren, während es zehn Taucher nach wie vor an die ägyptische Küste zieht.Schon seit dem Attentat im September sei das Interesse aber "stark zurückgegangen", sagt die Chefin Annette El Zorkany.Über Weihnachten seien früher 50 bis 60 Kunden nach Ägypten gereist, "diesmal macht das wohl keiner".Vom Neuköllner Ägypten-Spezialisten "Ibis Tours" hieß es, man habe keine Absagen erhalten.Vier Stornierungen gab es bei "Last Minute Tours" in Wilmersdorf.Büroleiter Robert Schwanghard überlegt, "selbst hinzufliegen, um mir die Pyramiden einmal ohne Menschen anzuschauen". Die Verbraucherzentrale wies darauf hin, daß mögliche Forderungen nach Stornogebühren unzulässig seien und Kunden sich auf "höhere Gewalt" berufen könnten. Viele Reiseveranstalter wollen es von der Haltung des Auswärtigen Amts abhängig machen, ob sie Ägypten im Programm behalten.Das Amt verzichtete gestern auf eine generelle Warnung, riet aber erneut von Mittelägypten ab und betonte, neue Anschläge seien "nicht auszuschließen". Auf dem Flughafen Schönefeld hob gestern nachmittag eine halbvoll besetzte Maschine der "Egypt Air" gen Kairo ab."Wir wollen nach Hurghada, aber auch nach Luxor", sagten Eheleute aus Frankfurt / Oder.Anschläge könnten "schließlich auch in Spanien oder in der Türkei" passieren.Zwei andere Ehepaare buchten um und flogen lieber ins marokkanische Agadir.

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