Berlin : Umfrage: Rot-Grün liegt vorn - hat aber keine Mehrheit

Ulrich Zawatka-Gerlach

Gut zwei Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl liegt die SPD in der Wählergunst weiter klar vorn - für eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition aber gibt es keine Mehrheit. Die SPD käme bei Wahlen am heutigen Sonntag auf 36 Prozent, die CDU auf 26 Prozent, die PDS auf 15 Prozent, die Grünen auf 10 Prozent und die FDP auf 9 Prozent, geht aus einer repräsentativen Umfrage der "Forschungsgruppe Wahlen" im Auftrag des Tagesspiegel hervor. Noch ist aber vieles offen: Erst 57 Prozent der Wähler haben sich auf eine Partei festgelegt, 25 Prozent sind noch völlig unentschieden.

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Auch wenn die Sozialdemokraten noch um ihr Wunschergebnis - Rot-Grün auch nach dem 21. Oktober - kämpfen müssen, können sie mit ihrem Spitzenkandidaten Klaus Wowereit zufrieden sein. Bei einer Direktwahl käme der Regierende Bürgermeister auf 46 Prozent, der PDS-Kandidat Gregor Gysi auf 22 und der CDU-Spitzenmann Frank Steffel auf 18 Prozent der Wählerstimmen. Wowereit ist auch mit Abstand der populärste Spitzenkandidat (+1,7); selbst die CDU-Anhänger billigen ihm ein knapp positives Ergebnis (+0,1) zu. Es folgen Gysi (+0,7) und der FDP-Kandidat Rexrodt (+0,2), während die Grünen-Politikerin Sibyll Klotz neutral (0,0) im Rennen liegt und Steffel (-1,1) der unpopulärste Wettbewerber ist. Selbst bei den CDU-Sympathisanten fehlt es Steffel an Unterstützung, während eine breite Mehrheit der jeweiligen Parteianhänger hinter Wowereit und Gysi als Spitzenkandidaten stehen.

Im Gegensatz zur Wahl in Hamburg vor knapp zwei Wochen rangiert in Berlin das Thema Kriminalität/Innere Sicherheit mit 29 Prozent erst auf Platz zwei hinter Arbeitslosigkeit (42 Prozent). Danach folgen Finanzen mit 19 Prozent, Politikverdruss/Filz mit 14 Prozent und die Bildungspolitik mit 10 Prozent. Grafik: Die Sonntagsfrage Die Regierungsarbeit von Rot-Grün nach dem Bruch der Großen Koalition wird von den Befragten sehr ambivalent beurteilt. Während die politische Arbeit der SPD eine vergleichsweise gute "Schulnote" (+0,9) bekommt, stehen die Grünen (-0,5) wesentlich schlechter da. Die Oppositionsarbeit der CDU (-0,5) wird von den wahlberechtigten Berlinern aber auch nicht besser eingeschätzt. Die PDS kommt sogar noch schlechter weg (-0,9). Auch das Image der Parteien ist sehr unterschiedlich. Der SPD-Landesverband bekommt +1,4 gutgeschrieben, der CDU-Landesverband wird bei -0,5 eingestuft. Die Bundesparteien (SPD: +1,7 und CDU: -0,1) schneiden etwas besser ab.

Bei der Koalitionsfrage liegt Rot-Grün bei den Wählern ebenfalls vorn - allerdings nur mit einer relativen Mehrheit. Eine Fortführung der rot-grünen Zusammenarbeit befürworten 22 Prozent der Berliner, 14 Prozent plädieren für einen Senat aus CDU und FDP. Eine erneute große Koalition aus SPD und CDU wird von lediglich 12 Prozent der Wähler befürwortet. ortsetzung der rot-grünen Regierungskoalition wäre in diesem Fall möglich. Dies wird auch von 22 Prozent der Wähler befürwortet. Alle anderen Bündnisoptionen schneiden deutlich schlechter ab.Nur 10 Prozent favorisieren eine Zusammenarbeit zwischen SPD und PDS im Senat, für eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen sprechen sich lediglich 3 Prozent der Befragten aus. Lieber wäre 14 Prozent ein Regierungsbündnis zwischen CDU und FDP. und 12 Prozent eine Neuauflage der Großen Koalition. Rot-Rot, rechnerisch durchaus mehrheitsfähig, scheint auch den Anhängern der SPD ein Dorn im Auge zu sein. Nur jeder zehnte SPD-Wähler will einen SPD-PDS-Senat, während sich 49 Prozent der PDS-Sympathisanten dafür aussprechen. Die Hälfte der Wahlberechtigten fände es nicht gut, wenn die PDS - in welcher Konstellation auch immer - Regierungsverantwortung in Berlin übernähme. Die Vorgeschichte der PDS als SED-Nachfolgepartei werde immer noch kritisch betrachtet, fand die "Forschungsgruppe Wahlen" heraus. Zwei Drittel der Befragten "glauben nicht an die Erneuerung der PDS".

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