Berlin : Umfrage: Türken fühlen sich zunehmend wohl in Berlin

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Türken leben gerne in Berlin. Bei einer Umfrage unter 1003 Berliner Türken gaben 80 Prozent an, sich in der Stadt "sehr wohl" oder "wohl" zu fühlen. Daran sei ein wachsender Wille zur Integration zu beoabachten, sagte am Dienstag die Ausländerbeauftragte des Senats, Barbara John, bei der Vorstellung der Studie. Von einem Rückzug in eine "ethnische Nische" könne deshalb keine Rede sein. Die Umfrage bestätige deutlich, dass der Trend in kleinen, aber messbaren Schritten hinaus aus der Randständigkeit, hinein in die Gesellschaft gehe. Arbeitslosigkeit, mangelnde Deutschkenntnisse und geringe Qualifizierung seien jedoch hartnäckige Hindernisse auf diesem Weg. Hier müsse die Politik Lösungen anbieten, denn Integrationsprobleme seien keine "Ausländerprobleme."

Das Marktforschungs-Unernehmen "in Trend" hatte Ende des vergangenen Jahres im Auftrag Johns Türken ab 18 Jahren befragt, die in West- und Ostbezirken wohnen. Neu ist die Art der Erhebung allerdings nicht. Die Ausländerbeauftragte läßt seit 1982 regelmäßig Umfragen unter Türken und auch Deutschen durchführen. So können spezielle Fragen zur Lebenssituation der türkischen Bevölkerung gestellt und die Anworten herkunftsspezifisch ausgewertet werden, sagte John.

Schon in früheren Umfragen habe sich abgezeichnet, dass sich die türkische Bevölkerung immer stärker auf das deutsche Umfeld orientiere. Dieser Trend setze sich auch in der jüngsten Umfrage fort. Beispielsweise hätten 81 Prozent der Befragten die Frage nach deutschen Freunden bejaht. 1999 seien es 75 Prozent gewesen. "Die Zuwanderer selbst sind weit stärker in der Realität angekommen, als manche glauben", sagte Barbara John. Fast 70 Prozent hätten angegeben, dass die Annahme nicht zutreffe, dass türkische Berliner beim Einkaufen, in der Freizeit, beim Sport und bei den Medien nur Angebote der eigenen Gruppen nutzen würden. 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie auch deutsche Zeitungen lesen.

Ein wichtiger Teil der Fragen bezog sich auf das Thema Religion und Religionsunterricht. Ein gutes Drittel der Befragten meinte, dass nach dem 11. September das allgemeine Misstrauen gegenüber Muslimen zugenommen habe. Allerdings waren auch 54 Prozent der Ansicht, dass die Deutschen sehr wohl zwischen friedlichen Muslimen und Terroristen unterscheiden. Die Mehrheit der Befragten bezeichnet sich selbst nicht als regelmäßiger Moscheegänger, wobei der Anteil derer, die regelmäßig in der Moschee beten, mit einem Drittel konstant ist. Ählich konstant sind auch die Werte bei der Frage nach dem islamischen Religionsunterricht: 64 Prozent befürworten, dass der Unterricht in deutscher Sprache gehalten wird. 28 Prozent sind dagegen. 53 Prozent der Befragten würde ihre Kinder auch in den Unterricht der Islamischen Föderation schicken. Aber 38 Prozent wollen diesen Unterricht nicht. "Deshalb müssen andere Formen von Religionsunterricht gesucht werden", sagte John. Insgesamt bestätige die Umfrage, dass die Berliner Türken keinen Gegensatz sehen zwischen religiösen Bindungen und einer demokratischen Gesellschaft.

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