Umfrage zu in Berlin : Fast jeder findet Bibliotheken wichtig

Trotz App und Internet: Bibliotheken sind populär. Das zeigt eine Umfrage unter Nutzern in Berlin. Aber die Besucher üben durchaus auch Kritik.

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Viele Besucher von Bibliotheken wollen auch die elektronische Medien nützen. . Foto: dpa
Viele Besucher von Bibliotheken wollen auch die elektronische Medien nützen. .Foto: dpa

Mit diesem Ergebnis hatte niemand gerechnet. Mehr als 90 Prozent der Menschen, die Bibliotheken überhaupt nicht nutzen, sind der Meinung, dass genau diese öffentlichen Einrichtungen in der Stadt notwendig sind. „Wir waren sehr überrascht“, sagt Charlotta Hardtke-Flodell von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Für sie ist das eine Erfolgsmeldung, Hardtke-Flodell leitet eine große Umfrage zu den öffentlichen Bibliotheken in der Stadt. Weniger überraschend ist dagegen, dass 96 Prozent der befragten Bibliotheksnutzer diese ebenfalls nötig finden.

Aber wer besucht Bibliotheken? Welche Wünsche haben die Nutzer? Welche Trends sind erkennbar? Wo sind noch Schwachstellen? Das waren die wichtigsten Fragen. Repräsentativ befragt wurden anfangs 2022 Berliner. Da ging es erst mal um die bloße Bedeutung der Einrichtungen. Später wurden 14 000 Menschen genauer interviewt.

Typische Bibliotheksnutzer: Gebildet, weiblich, mittleres Alter

Die wichtigsten Erkenntnisse in Zahlen: 33 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten eine öffentliche Bibliothek betreten. 41 Prozent der Besucher sind zwischen 30 und 49 Jahre alt, 28 Prozent liegen in der Altersgruppe 14 bis 29 Jahre. Nicht gezählt wurden allerdings Kinder. 64 Prozent der Besucher haben einen hohen Bildungsabschluss, neun Prozent lediglich einen niedrigen. 39 Prozent der Besucher sind Berufstätige, fast zwei Drittel der Nutzer sind Frauen, oft in Begleitung ihrer Kinder, und knapp jeder Vierte, der die Eingangstür einer Bibliothek passiert, hat einen Migrationshintergrund. Das Thema Standort einer neuen Zentralbibliothek wurde in der Umfrage allerdings ausgespart.

Wünsche haben die Nutzer natürlich auch, 34 Prozent zum Beispiel eine persönliche Beratung, 32 Prozent längere Öffnungszeiten.

Die Zahlen sind natürlich Botschaften an die Verantwortlichen. Projektleiterin Hardtke-Flodell war auch nicht bloß von den 90 Prozent überrascht. Mit gleich drei Erkenntnissen hatte sie nicht gerechnet: der großen Zahl von berufstätigen Besuchern, mit dem Umstand, dass zwei Drittel aller Besucher sportlich aktiv sind und mit dem großen Wunsch nach Beratung. Jetzt denkt sie an Kooperationen im Freizeitbereich, auch an längeren Öffnungszeiten „arbeiten wir“.

Eine Bibliotheks-App fehlt

Aber da sind ja noch andere Bereiche, die ihr „zu denken geben“. Die geringe Zahl von Besuchern mit niedrigem Schulabschluss zum Beispiel. Verstärkte Kooperationen mit Kitas und Schulen könnten helfen.

Stefan Rogge, Geschäftsführender Vorsitzender des Landesverbands Berlin im Deutschen Bibliotheksverband, konstatiert, „dass wir uns mit unserem Online-Auftritt anders aufstellen müssen“. Und eine Bibliotheks-App fehle leider auch. Schließlich ist der digitale Wandel einer der Trends, den die Projektleitung festgestellt hat. Da ist es natürlich schlecht, dass Geld knapp ist. „Es fehlen Programme, die es Bibliotheken ermöglichen, sich zu entwickeln. Wir haben Probleme, die Software zu verbessern.“ Dabei wünschen sich „gerade Jugendliche einen guten elektronischen Auftritt“.

Die ältere Kundschaft ist dagegen schon mit ein paar Tipps zufrieden. Eine 85-Jährige tauchte in einer Bibliothek mal mit einem Handy auf, dem Geschenk ihres Enkels. Der hatte es nett gemeint, seine Großmutter aber völlig überfordert. Die alte Dame hatte nun verschüchtert eine Frage: „Können Sie mir sagen, wie das funktioniert?“

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