Umfrage zum Hauptstadtflughafen : Jeder Vierte hat Glauben an BER-Eröffnung verloren

Der BER-Chef hält am Ziel einer Flughafeneröffnung 2018 fest. Doch die Deutschen haben laut einer Umfrage nicht nur große Zweifel daran, sondern auch Vorbehalte gegen das Management.

Thorsten Metzner
Der BER wird und wird nicht fertig. Kaum ein Deutscher glaubt noch an eine Eröffnung 2018.
Der BER wird und wird nicht fertig. Kaum ein Deutscher glaubt noch an eine Eröffnung 2018.Foto: picture alliance / Ralf Hirschbe

Um die Dauerbaustelle des neuen Flughafens in Schönefeld ist es ruhig geworden, seit sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) aus dem Aufsichtsrat verabschiedet hat und sein früherer Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup das Management übernahm: Zumindest hat der Flughafenchef erst jüngst das Ziel bekräftigt, den Airport 2018 eröffnen zu können. Allerdings glaubt selbst außerhalb der Hauptstadtregion kaum noch jemand daran, dass das klappt. Das geht aus einer aktuellen deutschlandweiten Umfrage hervor, die jetzt das Hamburger Statistikportal Statista in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov vorgelegt hat.

Für die repräsentative Umfrage zum BER-Eröffnungstermin wurden vom 21. bis 25 April deutschlandweit 1071 Erwachsene befragt. Und danach halten 41 Prozent einen BER Start 2018 für „eher unwahrscheinlich“ und weitere 36 Prozent für „sehr unwahrscheinlich.“ Mehr als zwei Drittel gehen somit davon aus, dass es 2018 wieder nichts wird. Nur zwei Prozent halten einen BER-Abflug im nächsten Jahr für „sehr wahrscheinlich“ und 13 Prozent für „eher wahrscheinlich“, es wäre sechs Jahre nach dem geplatzten Start 2012, zwölf Jahre nach Baubeginn.

Ein Viertel tippt auf Eröffnung "später als 2021"

Das Stimmungsbild ist realistisch. Nach Tagesspiegel-Recherchen ist es angesichts der massiven Rückstände auf der Baustelle im Grunde nicht mehr zu schaffen, den BER 2018 in Betrieb zu nehmen. Dafür müssten die Bauarbeiten bis diesen Sommer beendet sein, was illusorisch ist. Außerdem kann die Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) dem Vernehmen nach nicht mit einer vorzeitigen Nutzungsfreigabe für das BER-Terminal durch die Baubehörde des Kreises Dahme-Spreewald rechnen, was ebenfalls für einen BER-Start 2018 nötig wäre. Dem Vernehmen nach wird Lütke Daldrup zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 22. Mai noch keinen neuen Eröffnungstermin präsentieren können. Das war eine Forderung Müllers, vor dem Rückzug aus dem Aufsichtsrat.

Außerhalb Berlins haben die ständigen Verschiebungen – zuletzt war im Januar der BER-Start 2017 abgesagt worden – ihre Spuren hinterlassen: Nach der Umfrage glaubt jeder Vierte, dass der BER nie eröffnet wird. So haben jedenfalls 26 Prozent diese Frage beantwortet: Was schätzen Sie, wann der BER stattdessen eröffnet wird? Fünf Prozent erwarten, dass der BER 2019 starten kann. 24 Prozent 2020. 13 Prozent tippen auf 2021, 25 Prozent auf „später als 2021“.

BER wird den Menschen zu teuer

Aufschlussreich sind auch die Ergebnisse auf diese Frage: „Was sind Ihrer Meinung nach die größten Ärgernisse an der Verzögerung der Bauzeit des Berliner Flughafens?“ Es gab Stichworte zur Auswahl, Mehrfachnennungen waren möglich. An der Spitze rangiert das öffentliche Geld. Als größtes BER-Ärgernis sehen 71 Prozent „weitere Kosten für den Steuerzahler“, bei den über 60-Jährigen sind es sogar 81 Prozent. Tatsächlich haben sich die Kosten für den Bau des neuen, einst mit zwei Milliarden Euro kalkulierten Airports auf 6,6 Milliarden Euro verdreifacht. 62 Prozent halten die schlechte Arbeit von Architekten und Planern für das größte Übel, 41 Prozent miese Leistungen der ausführenden Firmen. Für 40 Prozent sind „unzuverlässige Politiker“ das Hauptärgernis am BER, 32 Prozent nennen den beschädigten Ruf Berlins. Und 38 Prozent sehen wegen des BER–Debakels einen „Imageschaden für Deutschland“.

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