Umgestaltung : 4000 Unterschriften gegen Kahlschlag am Gendarmenmarkt

Mit solchen Protesten hatte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe wohl nicht gerechnet. Nun reagiert er auch darauf. Die Pläne für den Umbau des Gendarmenmarktes sollen überprüft werden.

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Rigorose Umgestaltung oder behutsame Instandsetzung - diese Frage beschäftigte Berlin in den vergangenen Wochen. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
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05.08.2010 19:42Rigorose Umgestaltung oder behutsame Instandsetzung - diese Frage beschäftigte Berlin in den vergangenen Wochen.

Berlin - Mehr als 4000 Unterschriften wurden bisher für den Stop der Planungen zur sechs Millionen Euro teuren Radikalkur einer Umgestaltung des Gendamenmarktes gesammelt. Ada Withake-Scholz, die Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des beliebten Platzes, findet es dabei bemerkenswert, dass viele Berliner aus allen Bezirken beteiligt sind und manchmal von weit her, auch aus abgelegenen westlichen Vororten, „extra zum Gendarmenmarkt kommen, um hier mit ihrer Unterschrift zu bekräftigen, dass ihnen der Platz so gefällt, wie er ist, und dass vor allem die über 100 Kugelahornbäume nicht beseitigt werden dürfen“.

Dieser Kahlschlag ist Teil eines Plans, mit dem die Senatsbauverwaltung den Platz im Herzen Berlins ziemlich radikal umgestalten möchte. In dreijähriger Bauzeit soll das Gelände eingeebnet sowie mit neuen „Möbeln“ und modernem Belag versehen werden, außerdem will man die technische Infrastruktur mit den erforderlichen Anschlüssen für Großveranstaltungen verbessern und die vor 25 Jahren gepflanzten Kugelahornbäume beseitigen, da sie angeblich den Blick auf den Französischen Dom behindern. Stattdessen sollen – wie am Deutschen Dom – höhere Solitärbäume das Bild bestimmen. „Es ist an der Zeit, ergänzend neue Bäume zu pflanzen, die einmal ebenso groß werden können. Dies können die vorhandenen Kugelahornbäume nicht leisten, sie sind mit ihren vier Metern bereits ausgewachsen“, sagt der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, und lobt in einer Presseerklärung den bisherigen öffentlichen Planungsprozess.

Offenbar hat ihn jetzt der heftig aufgeflammte „Ahornstreit“ um die schnöde Beseitigung des schattenspendenden Grüns überrascht, plötzlich versteht er die Sorge um das grüne Erscheinungsbild des Gendarmenmarktes. „Wir werden unsere bisherigen Argumente kritisch überprüfen und die Planung erneut öffentlich vorstellen. Der Platz soll nach der Umgestaltung mindestens so grün sein wie er heute ist“. Ihm sei wichtig, „dass die Planung am Ende durch eine breite Mehrheit unterstützt wird“. Diese Mehrheit ist zurzeit gegen die vom Senat und offensichtlich auch vom Bezirksstadtrat geplante Radikalkur und für eine behutsame Instandsetzung. Die CDU und die Grünen haben sich schon den Protesten angeschlossen, auch die Interessengemeinschaft Friedrichstraße lehnt die Umgestaltung in der vorgesehenen Form ab. Demnächst werden Berliner Künstler mit Aktionen die Erhaltung des Gendarmenmarktes fordern und unterstützen.

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